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24.4.09

"Vorbeugen ist besser als auf die Schuhe kotzen..."

Der Alkohol- und Suchtpräventionstag am LGH.

Ein Alleinstellungsmerkmal des LGH ist die Vielzahl außerunterrichtlicher Veranstaltungen. Von der Lehrerschaft in zunehmendem Maße beklagt (Der Unterrichtsausfall bei ohnehin verkürzten Stundentafeln... Der Stoff, der bis zum Jahresende / zur mittleren Reife / zum Abitur behandelt sein muss... Die mangelnde Kontinuität in Fächern, die konsequentes Üben verlangen...), stoßen auch so manchem Schüler die Extratermine übel auf. Ganz besonders schlimm wird es, wenn hinter solchen Veranstaltungen eine 'pädagogische Intention' vermutet wird - legendär ist immer noch die 'Fettpunktepräsentation' - bei der es eigentlich und löblicherweise um gesundheitsbewusste Ernährung in der Mensa ging, die aber aufgrund schlechter Vorbereitung und desaströser Unterschätzung des Publikums seitens der Referentin über Monate Anlass für Hohn und Spott lieferte - und eher einen gegenteiligen Effekt verzeichnete, wenn man sich an den daraufhin ausgelobten 'Fatty'-Preis für die größte Menge an vertilgten Süßigkeiten erinnert. Wenn also die Schulleitung einen regulären Unterrichtstag opfert, lässt sich zum Einen der Schluß ziehen, dass diesem aufgrund einer gewissen Dringlichkeit besonderes Gewicht verliehen werden soll - zum Anderen hofft man inständig, dass die Referenten das Thema nicht verbocken.

Selbst im fünften Jahr des Bestehens gibt es immer noch Premieren. Der heutige Tage sah also die Einführung einer neuen Tradition, den "Suchtpräventionstag", der wohl nicht als singuläre Veranstaltung, sondern als fortlaufende Eventreihe zum Thema zu verstehen ist. Es ist ja auch ein weites Feld - von Volksdrogen bis zu Red Bull, von Koks und H über Ecstasy zu Dextroenergen und 'Germany's Next Topmodel'... das Suchtpotential lauert überall. Erklärtes Ziel des heutigen Tages war wohl, zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit Alkohol im Internatsbetrieb und im individuellen Leben jedes Einzelnen beizusteuern. Und so rückte ein Aktionstrupp, bestehend aus den Elternvertretern, einem Richter, diversen Ordnungshütern und einem trockenen Alkoholiker auf dem Campus an, um zu informieren, aufzuklären, und zu warnen.

Roller fahren unter simuliertem Alkoholeinfluß - auch die Lehrer durften ran.

Allen Beteiligten ist dabei wohl klar gewesen, dass derartige Aktionen nicht den großen Umschwung im Handeln und Denken eines LGH-Schülers veranlassen werden - jedenfalls nicht zu vergleichen mit langfristige Strategien, wie dem vorgelebten Alltag auf dem Campus, oder allgemein dort erfahrenen Regeln des gemeinschaftlichen Zusammenlebens und dem gültigen Verhaltenskodex unserer Gesellschaft. Allerdings wird doch deutlich, dass Zwischenfälle, wie sie sich im Laufe der Jahre ereignet haben, für viele Verantwortungsträger Anlaß zur Sorge sind - um das leibliche Wohl der uns anvertrauten Schützlinge, aber auch, und nicht zuletzt, um das Image des Landesgymnasiums.
Um es an dieser Stelle noch einmal herauszustellen: Das LGH hat kein Alkoholproblem, sondern nähert sich lediglich einer Normalsituation an, die gesellschaftlich bedingt ist - ohne darüber jetzt ein Urteil zu fällen. Trotzdem sind wohl vor allem die Eltern aufgrund der aufgetretenen Vorkommnisse hellhörig geworden - und verständlicherweise, gibt man doch sein Kind nur in solche Hände, denen man auch zutraut, an seiner statt Erziehungsarbeit leisten zu können.

Gerade bei der Sucht - und Alkoholproblematik aber muss man als Internat mit den Elternhäusern zusammenarbeiten - und folglich wurde der heutige Tag auch zum Großteil von engagierten Eltern und externen Experten geplant und gestaltet. Die Motivation der Schülerschaft hielt sich nach meiner Beobachtung dabei in gewissen Grenzen - am meisten Spaß machte wohl die 'Selbsterfahrung' mit den mitgebrachten Rauschsimulationsbrillen - und der ein oder andere Schüler drückte tatsächlich den Wunsch nach regulärem Unterricth aus.

Ich jedenfalls beschloß den Tag mit der Erkenntnis, dass die oft gehörte Frage nach der Effektivität der Maßnahme - Studien geben bekanntlich Präventionsmaßnahmen und Abschreckungsstrategien im Vergleich zu langfristiger Persönlichkeitsfestigung schlechte Noten - am eigentlich erreichten Ziel vorbeigeht: Der gemeinsamen Aktion, des Ziehens an einem Strang von Schule und Eltern und der damit verbundenen Botschaft. Und auch wenn mancher zu cool war, um es zuzugeben - irgendwie interessant war das alles ja schon, und gut vorbereitet auch. Und die Sorge, der Fettpunkteeffekt würde sich wiederholen, ist - zumindest aus meiner Sicht - nicht eingetreten.

Den Organisatoren gebührt also Respekt und Dank - und man darf gespannt sein, wie diese Präventionstage in den kommenden Jahren aussehen werden.

2 comments:

Lieschen said...

Ich möchte diesen Tag jetzt nicht zu scharf kritisieren, aber es gibt doch den ein oder anderen Punkt, den man anbringen könnte:

Der größte der Punkte ist wohl die Tatsache, dass es einfach zu lang war. Immerhin ging es für Klasse 9 und 10 von 9:00 bis 17:00 Uhr (16:45). Man hätte das Ganze auch ein wenig kürzen können.

Außerdem fanden viele den Vortrag des Polizisten nicht sonderlich gut, da er die Botschaft vermittelte: Finger weg von Alkohol, Alkohol ist böse! Und er hat eigentlich nur Extrembeispiele aus dem Internet gebracht, die uns abschrecken sollten, was den Vortrag nicht auf unbedingt viel Begeisterung stoßen ließ.

Ansonsten war es eigentlich gar nicht so schlecht, aber das einzige, was wohl wirklich was gebracht hat, war das Gespräch mit dem trockenen Alkoholiker. Immerhin hat man so nicht nur Theorie erfahren, sondern praktische Erfahrungen gehört. Um ganz ehrlich zu sein: man hätte sich den Rest eigentlich auch fast sparen können und nur mit "Bernd" reden können. Damit wären wohl die Schüler um einiges zufriedener gewesen, da sie durch die Dauer, die auf dem Plan vermerkt war, nicht gerade motiviert wurden.

Soviel dazu. Schönes Wochenende!

Sammy said...

Das hört sich so an, als sei da eine Menge Spaß mit einer Menge Informationen und einer Menge Langeweile kombiniert gewesen. Ich finde es lobenswert und auch sehr beachtlich, dass das Thema nicht unter den Tisch gekehrt wird, sondern aktiv und offensichtlich auch teilweise öffentlich einsehbar Gegenmaßnahmen in Angriff genommen werden. Also: Großes Lob!

Als ich aber im Kommentar unseres "Lieschens" die Dauer sah, ahnte ich, dass diese einen sehr nachteiligen Effekt auf die Beurteilung (und damit auch - leider Gottes - auf die Akzeptanz) durch einen Großteil der Schülerschaft hatte. Wenn eine solche Aktion so lange gehen soll, muss sie - vor allem bei Hochbegabten - eine sehr hohe Qualität haben, um effektiv zu bleiben. Bei gewissen erwähnten Personen, z.B. eines namentlich nicht genannten Ordnungsbeamten, scheint aber der gehaltene Vortrag vom Anspruch her auf "Fettpunkte"-Niveau gelegen zu haben. Das versauert natürlich.

Dennoch: Weitermachen, sonst hat man schon verloren. Vielleicht lässt sich ja die praktische Erfahrung mit der (kontrollierten) Herbeiführung eines Katers unterstützen? Gut, das klingt bedenklich. Bleiben wir lieber bei einer Simulation, die die Degenerierung des Gehirns unter Alkoholeinfluss im Zeitraffer irgendwie bildlich darstellt...

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