Home: Die Werkstatt Südafrikablog: Kom die Kaap na!

29.1.08

Nur am LGH

Nach jetzt bald vier Jahren der Beschäftigung mit hochbegabten Schülern sollte einen eigentlich nichts mehr wundern. Die extremen Spleens, der seltsame Humor, die oppostionelle Haltung allem gegenüber, was nach Autorität riecht, die ausgeprägte Abneigung bezüglich frischer Luft und kaltem Wasser... so langsam nimmt man das gar nicht mehr wahr, sondern einfach hin. Die Berufung wird zum Job, die permanenten Auseinandersetzungen, in der ersten Zeit so anstrengend und aufreibend, wandeln sich im Charakter von Herausforderung zur Routine.
Umso schöner, dass man sich doch noch von so manchem, was am LGH passiert, verzaubern lassen kann. So zum Beispiel an diesem Wochenende...
Vom samtsäglichen Unterricht und Elternsprechtag einiger Maßen erschöpft, hatte ich mich griesgrämig mit einem Kollegen des Wochenendienstes über die Aufsicht bei einer mehr oder weniger spontanen Schülerarty in der alten Mensa abgesprochen. Immer mal wieder rein schauen, war unser Plan, und später darauf achten, dass ja alle pünktlich im Bett sind. Und natürlich die üblichen Verdächtigen im Auge behalten. Man hat ja schon so einiges an Exzessen mitbekommen...
Doch als ich dann kurz auf einer ersten Runde vorbei kam, die Treppe zum alten Tischtennisraum emporstieg, den Beat der Musik verspürte, einen wehmütigen Blick in den ehemaligen Kreativraum warf, schien plötzlich etwas der Schwere, die ich bis dahin verspürt hatte, von mir abzufallen. Ich sank in einen Sessel, und beobachtete das Leben vor mir. Mädchen und Jungs aller Stufen, von der Siebenerin bis zum Abiturienten, feierten ausgelassen. Ohne Alkohol, ohne Zigaretten, ohne Drogen (bis auf die natürlichen Effekte von Endorphin und Geschlechtshormonen...). Dramen der Eifersucht, die Hochs und Tiefs der Teenageremotionen, Sozialisierungsverhalten des juvenilen Homo sapiens sapiens - das alles spielte sich als friedliches Tableau vor meinem Auge ab, ohne dass es zu Ärger oder Stress gekommen wäre. Erstaunt nahm ich war, dass unsere Jugns auf einmal tanzen konnten. Und ich erkannte hier in diesem bunten Durcheinander den alten LGH Geist - Jungs mit Jungs, Mädels mit Jungs, Mädels mit Mädels, alle zusammen und wild durcheinder, jeder anders, auf seine Art einzigartig - und alle konnten sich an dieser Vielfalt der Charaktere erfreuen, nahmen die Unterschiede im Gegenüber dankbar an, statt sich abzuschotten.
Am Ende mischte sich sogar der aufsichtshabende Pädagoge unter das tanzende Volk, und ich hatte das Gefühl, als fiele es gar nicht weiter auf - ich war nur ein weiterer Gast. Auf einem Fest, wie es sein sollte.

25.1.08

Wherever the wind may blow....

Liebe Familie, liebe Freunde, liebe Leser!

Wie den meisten von Euch bekannt sein dürfte, steht mir in ca. 1,5 Jahren ein einschneidendes Erlebnis bevor - im Juli 2009 verabschiede ich mich nämlich für ein Sabbatjahr aus der Tretmühle des Systems Deutschland. Eine schnelle Überschlagsrechnung läßt mich gewahr werden, dass ich dann seit meiner Kindheit anteilig die meiste Lebenszeit in Schwäbisch Gmünd verbracht haben werde - ganze 5 Jahre - und nicht etwa in Kapstatd, Ljubljana, oder meinetwegen auch einer interessanten deutschen Metropole. Ein Umstand, der mich in der Tat sehr nachdenklich stimmt... Ulf, was machst Du nur mit Deinem Leben, fragt mich der Mann im Spiegel in letzter Zeit recht häufig.
Nun ist ein Jahr auch nicht gerade üppig bemessen, und für die ganzen Pläne, die sich bei mir angestaut haben, reichten selbst 5 mal 12 Monate wahrscheinlich nicht. Es versteht sich außerdem von selbst, dass ich Deutschland mal wieder verlassen muss, und dass ich Zeit und Ort zum Schreiben brauche. Um ein wenig Entscheidungshilfe zu erhalten, nun deshalb folgende Umfrage....was meint ihr, die Leute, die mich kennen und lieben, paßt am besten? Einige eher konventionelle Ideen, die ich früher mal wälzte, sind hier übrigens nicht mehr aufgeführt, z. B. die Doktorarbeit in Pädagogik, oder ähnliche Vorhaben... I just can't be bothered.

Also: Was soll Ulf mit einem Jahr Ferien anfangen?


a) Die Reise-Option: Geradezu klassisch. Ein Jahr bietet ausreichend Zeit, ordentlich Rucksackreisend durch die Welt zu kommen. Zu den Ländern, die ich schon immer mal sehen wollte, gehören: Indonesien, Madagascar, Mocambique, Kenia, Costa Rica, Peru, Chile, Argentinien, Galapagos, Tuvalu, Vietnam, Laos, Kambodscha, Burma.
Es dürfte schwer werden, dass alles in einem Jahr zu machen, wenn man wirklich eintauchen will, und gleichzeitig ein gutes Buch darüber zu schreiben. Aber man kann sich ja spezialisieren und noch was für später aufheben...

b) Die Tuvalu-Option: Diese Inselgruppe im Pazifik ist der Ort auf dem Globus, der am weitesten von Deutschland entfernt liegt. Laut Forbes Umfrage wohnen dort die glücklichsten Menschen der Welt. Der Staat gehört zu den kleinsten der Welt und ist akut vom Untergang (im wörtlichen Sinne) bedroht. Vier gute Gründe, sich dort ein Jahr herumzutreiben und ein Buch darüber zu schreiben. Und wenn Tuvalu mir die Einreise verweigert, gibt es bestimmt auch andere Fleckchen Erde mit entsprechendem Romantik-Faktor.

c) Die Henry David Thoreau goes Cape Town-Option: Mir ist ein hoch interessantes Buch der südafrikanischen Regierung in die Hände gefallen, welches beschreibt, wie man auf ca. 20 Quadratmetern alle Lebensmittel nachhaltig anbauen kann, die man für ein gesundes Leben über ein Jahr lang braucht.
Darüber könnte man nun wirklich ein tolles Buch schreiben. Anleitung zum Aussteigen, oder so. Ich hätte auch schon eine Idee, wo ich meine Minifarm gerne stehen sähe...

d) Die Shaper-Option: Ich war schon immer von der Idee fasziniert, Dinge selber herzustellen. Ob E-Gitarre oder Aquarium. Hab ich aber nie gemacht. Jetzt würde ich mir gerne selber ein Surfbrett bauen. Also eine Lehre bei einem Shaper, der mir seine Kunstgriffe und Geheimnisse verrät, von Meister zu Schüler. Dabei kann man dann über alles andere philosophieren. Auch ein spannendes Sujet. Ich kenne da 'nen Laden in Muizenberg, da könnte ich mir das gut vorstellen...

e) Die Schriftsteller-Option: Ich versuche tatsächlich, Kapital aus meinen Stories und Büchern zu schlagen. Niste mich irgendwo in Südeuropa provisorisch ein, und betreibe Networking und Klingelputzen, um Agenten und / oder Verlage zu finden. Kurzgeschichten, Reiseberichte, Essays, Korrespondenz... der Ausstieg aus der Beamtenlaufbahn wäre letzlich das Ziel. Und ein Jahr Zeit, den Absprung zu schaffen...

f) Cape Windjammers Education Trust-Option: Wenn Antje und Alex bis dahin ihr Projekt noch am Start haben, hätte ich gute Lust, als Partner einzusteigen. Full commitment, mit allem was dazu gehört. Wer nicht weiß worum es hierbei geht, hier klicken. Die bräuchten auch noch nen Chronisten...

g) Es-kommt-ja-immer-anders-als-man-denkt-Option: Vielleicht treffe ich ja bis 2009 meine Traumfrau und mache ein paar Kinderchen. Vielleicht öffnet sich ja die Erde. Vielleicht entführen mich Aliens. Weiß man's? Deshalb... nicht so viele Pläne machen, irgendwas Spannendes wird schon passieren. Und ne gute Geschichte kann man überall finden...

Anregungen sind natürlich willkommen... und Eure Stimme wird gezählt!

Euer Ulf

15.1.08

Subtext From Nowhere

Ein neues Projekt ist am Start... um dem kreativen Output ein Ventil zu geben, werden ab sofort stories, texte, etc. mit kleinen Anmerkungen zur Entstehungsgeschichte auf einer externen Seite veröffentlicht, die ihr hier

Subtext from Nowhere

erreicht (siehe auch links from nowhere).

Über Kommentare freue ich mich natürlich, wie immer. Viel Spaß beim Lesen und Stöbern...

11.1.08

Fotos aus dem Krüger Park

Hier nun ein paar Impressionen aus drei Tagen Wildniss...

9.1.08

flipflops zu lackschuhen


Es ist grausam, gemein, unerträglich - doch auch die schönsten Ferien gehen einmal zu Ende. Und so räume ich das kleine Häuschen in Muizenberg, gehe ein letztes Mal ripple riding - und fahre rüber nach Kommetje, um blutenden Herzens 'tsotsi', mein treues blaues minimal zu verkaufen (aber ich weiß das Brett bei Anna, Maja und Thomo ja in guten Händen... ;-)


Was habe ich mit diesem board alles für schöne Momente erleben dürfen... Wie die Delphine unter uns durchgetaucht sind... wie wir in Kommtje unser gemeinsames Ende befürchteten, als wir zusammen auf den Strand geschleudert wurden... die langen Fahrten auf der Suche nach der Welle, das Kap hoch und runter... die Flucht aus Kapstadt, als im August alles zu viel wurde... durch den Frost des Kleinkarroo, als morgens Eis in kleinen Tropfen auf der Finne gefroren war... die Einsamkeit in Elands Baai... Nun gut: Paddeln, paddeln, paddeln - bis die Schultern schmerzten und der Nacken ein einziger Knoten war, sollte man auch nicht verschweigen.

Und es heißt Abschied nehmen von den guten Menshcen, die mich mal wieder drei Wochen ertragen haben - ein letztes Mal mit Alex und Antje zum sundowner aufs Dach des kleinen gelben Häuschens in Woodstock klettern, eine Flasche Wein leeren und dabei auf den Hafen schauen... liebe Freunde, wann wird es wieder so sein?


Schlimmer als all der Trennungsschmerz jedoch ist das Gefühl, nach drei Wochen des Barfußlaufens und flip-floppens wieder in 'normale' Schuhe zu steigen - eine echte Qual! Was wir zivilsationsgeschädigte Menschen unseren armen Zehen, Fersen und Fußrücken alles antun - wo man doch auch über warmen Sand laufen kann, durch plätscherndes Wasser, über Gras... ach liebe Füße, was tut ihr mir leid, da ihr jetzt wieder auf unbestimmte Zeit eingesperrt seid in dunkle, klamme Ledergefängnisse...


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