Home: Die Werkstatt Südafrikablog: Kom die Kaap na!

31.12.08

A happy 2009

This is where I feel most at home - on the go.
Here I am on layover in Zurich
(GREAT airport by the way)


To all my readers near and far, old and new!

It has been a pleasure keeping you updated on (almost) all things public and private in and around my existence at the State School for Gifted Children in Schwäbisch Fucking Gmünd.
I'd like to say 'thank you' for you attention and even more so for your comments, and wish you all the best in the twelve months to come and beyond.

May your wishes and aspirations be plentiful and blessed with success.

May you find as much joy in the day-to-day as in the wonders you will encounter.

And may you remember that the sun always shines.

Frohes Neues Jahr, Feliz Nuevo ano, Srecno Novo Leto, and GelukkigNieuwJaaar!

Ulf

...and this is just too good to not post:


22.12.08

Weihnachtsball '08

Oder: Hat da jemand Alkohol gesagt?

Ein Blick in die festlich geschmückte Mensa:
Wie immer am Ball nicht wiederzuerkennen
.

Man hatte sich so einiges vorgenommen für den diesjährigen Weihnachtsball – weniger pompös und sakral kam er dann auch daher, sehr zu meiner und Vieler andere Freude. Angefangen bei der genialen Idee, die ewige Dankesrede zu Beginn dramatisch zu einem Song zu verkürzen, der die ganze Chose in weniger als drei Minuten auf den Punkt brachte, über den erfrischenden Wechsel im Dekor von den ewig-festlichen Rot- zu winterlichen Blautönen bis hin zu dem diesmal wahrhaft ausgewählten Büffet – die Zehner haben mit diesem Weihnachtsball gezeigt, das man nicht immer nur durch bigger, better, faster, more, sondern durch die gezielte Analyse von Schwachstellen einen Event verbessern kann. Dies galt genauso für das verkürzte, aber exzellente kulturelle Rahmenprogramm wie für die Neuerung, den Schwerpunkt des Balles tatsächlich aufs Tanzen, statt auf das Rumsitzen und die Völlerei zu legen. Herzlichen Glückwunsch zu der organisatorischen Meisterleistung und dem guten Geschmack!

Leider hab ich von dem Entenbrustfilet nur den letzten Fitzel erwischt.
Der aber war köstlich.

Genau davon haben allerdings jene wenig bewiesen, die den Ball als Gelegenheit zur Ausfälligkeit nutzten – offenbar ist bei so manchem LGHler die Pubertät gerade im vollen Gange, wobei voll durchaus wörtlich zu nehmen ist. Schade für all diejenigen, die sich Mühe gaben, den Ball so gut zu gestalten – die Stimmung kühlte sich dann doch merklich ab, als ruchbar wurde, wie manche die besondere Stimmung, (man könnte auch sagen, das Vertrauen der Veranstalter) missbrauchten, um sich der Pflege ihrer juvenilen Coolness zu widmen – durch Aktionen, die wenig mehr sind, als aus Hollywood-Highschooltrash kopierte Gags. Die Drinks mit Normafusel zu versetzen oder sich ins Internat zu verdrücken, um eine Flasche zu lehren – ja mein Gott, ist das wirklich so witzig? Oder so nötig? Man kann vielleicht argumentieren, dass das Internatsleben sehr streng reglementiert, und der Alltag am LGH stressig ist - dass die Schüler vielleicht wenig Chancen haben, eine ‚normale’ Jugend zu erleben. Schön, wenn es sich so verhält, muss man das anerkennen und angehen – und auch mal ein Auge zudrücken, wenn sich jemand den ein oder anderen Exkurs erlaubt. Der Spaß hört aber auf jeden Fall dort auf, wo jüngere Schüler mit hinein gezogen werden – hier ist das LGH in der Pflicht, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen – und wenn es nicht anders geht, Veranstaltungen wie den Weihnachtsball härter zu kontrollieren.

Denkmal aus der Oberstufen-WG:
Manifestation des Anspruchs auf Volljährigkeit, Protest - oder einfach nur peinlich?


Dass dies dem Klima an der Schule nicht gut tut, dürfte niemanden verwundern. Doch lassen wir uns durch diejenigen nicht die Freude, den Spaß, an genau dem verderben, was das LGH besonders machte und immer noch macht – dem guten Verhältnis zwischen den hier Lebenden und Lernenden. Und so gilt genau das, was die Schulleiterin am nächsten Tag zu sagen hatte: Schön, dass so viele unserer Schüler die Angebote der Schule nutzen und zum Gelingen der Gemeinschaft beitragen. Dass ‚Viele’ hier ausdrücklich nicht ‚Alle’ heißt, dürfte wohl bis in die letzte Reihe vorgedrungen sein.

Ließen sich den Spaß am Tanzen nicht verderben:
Hier ist der Ball.

19.12.08

Was heißt hier Elite

NEU und nur hier auf News from Nowhere:

Ein exklusiver Vorabdruck aus der Weihnachtsausgabe des "Farbfleck", Schülerzeitung am LGH.




Was heißt hier Elite?


Kommentar zur LGH-Nabelschau


Versteht sich das LGH als Eliteschule? Und wenn, darf sie das besondere Potenzial ihrer Schuler offen – manche finden auch „großmäulig“ – in ihrem Namen hinausposaunen? Und wie rechtfertigt sich der personelle und finanzielle Aufwand für die Erziehung und Bildung weniger, ohnehin von der Natur Privilegierter? Ist das nicht ungerecht, unsozial, undemokratisch, unsolidarisch? Diese Fragen haben uns seit der Planungsphase 2004 immer wieder umgetrieben in einer permanenten Leitbilddiskussion oder aus Anlass der exzellenten Ergebnisse der ersten beiden Abiturjahrgänge, der medialen Präsentation unserer Schule in Spiegel TV, Kerner, scienceblogs, Deutschlandfunk, etc. Sie haben uns mit dem Begriff „Elite“ und den damit verknüpften Erwartungen konfrontiert – den eigenen Erwartungen und denen der Außenstehenden.

Zum Begriff meint Wikipedia:

Unter „Elite“ (von electus, „ausgelesen“) versteht man soziologisch Gruppen oder Schichten überdurchschnittlich qualifizierter Personen (Funktionseliten, Leistungseliten) oder die herrschenden bzw. einflussreichen Kreise (Machteliten) einer Gesell­schaft. Konkret bezieht sich der Begriff meist auf näher definierte Personenkreise, wie z. B. die Bildungselite. Als Gegen­begriff wird häufig „Masse“ oder auch „Durchschnitt“ („Normalbürger“) verwendet.

Tatsächlich ist der Begriff „Elite“ zwiespältig besetzt: wer wollte bestreiten, dass Machteliten, Geldeliten, Standeseliten (Adel, Kasten) häufig alles andere als vorbildlich für das Gemeinwesen gehandelt haben und handeln. Wir können in unserem Land ein Lied davon singen. Und in diese Eliten wird man oft ohne eigenes Verdienst hineingeboren oder man wird Mitglied durch rücksichtlose Ellbogenmentalität. Aber selbst „Bildungselite“ klingt für manchen anrüchig.

Aber wir brauchen dringend die anderen: die Leistungsträger, die Wissenschaftler, die Künstler, die Ingenieure, die Kreativen, die Kritischen, die Querdenker, die Vorbilder, die Versöhner, die Brückenbauer. Wir brauchen diejenigen, die Gemeinnutz vor eigenen Vorteil setzen können, die Verantwortung übernehmen, neue Wege beschreiten, Normen setzen in einer sich verändernden Welt. Sie bringen uns voran, bauen eine lebenswerte Zukunft. Aber Nobelpreisträger gehören selten zu den Geldeliten. Hören wir Werner Heisenberg: „Wenn Könige bauen, dann bekommen die Kärrner zu tun“. Die Kärrner schieben den Karren, aber jemand muss die Richtung vorgeben: ohne Könige keine Schlösser. Heisenberg meinte damit z. B.: wenige Spitzenforscher beschreiten neue Wege, öffnen Fenster zu neuen Erkenntniswelten, tragen die Gesellschaft in neue Zeiten – und geben vielen anderen Arbeit und Brot. Wir brauchen diese Elite dringend!

Seltsamerweise wird auch diese Elite in unserem Land misstrauisch beäugt: Wer mehr kann, mehr leistet als ich, ist ein Streber, ist verdächtig, ist unsolidarisch. Vielleicht werde ich an ihm gemessen, vielleicht erwartet man von mir dann auch mehr, als die Freizeit vor der Spielkonsole oder am Biertisch totzuschlagen? Wer mehr leistet, macht Unterschiede deutlich, zeigt, dass es auch anders geht, bedroht meinen Besitzstand. Oder erregt schlicht Neid. Elite ist deshalb zum Reizwort geworden.

Seltsamerweise gibt es aber einen Bereich, in dem Leistung unbeschränkt bewundert und be­jubelt wird: den Sport. Ein Tennisspieler oder Fußballer darf Unsummen verdienen und wird dafür bewundert, während das vergleichsweise bescheidene Salär eines Abgeordneten Neid und Unmut auslöst.

Betrachten wir es sportlich: ein großes Fußballtalent spielt in einem Dorfverein, schießt die meisten Tore. Das erweckt Missgunst bei den Mannschaftskameraden. Er wird geschnitten. Die Vorlagen erreichen andere. Selbst dem Mannschaftsleiter ist die Ausgeglichenheit seiner Mannschaft wichtiger als die Förderung eines „Stars“ und rät ihm, sich zurückzunehmen. Das tut er auch. Seine Talente verkümmern in der Mittelmäßigkeit, und eines Tages hängt er die Fußballstiefel enttäuscht an die Wand.

Ein anderer wird von einem Ligaverein entdeckt, trifft dort andere Talente und misst sich an ihnen, erfährt Förderung durch qualifizierte Trainer, schindet sich gemeinsam mit den anderen in hartem Training, schafft den Sprung in die erste Mannschaft. Diese ist erfolgreich, weil in ihr ein gesunder und fairer Teamgeist herrscht bei allem Wettbewerb um die Stammplätze. Und schließlich schießt er das entscheidende Tor zur Meisterschaft.

Ob Heisenberg oder Fußball: in diesem Geist wurde das LGH ins Leben gerufen, aus dieser Überzeugung speist sich die Daseinsberechtigung einer besonderen Schule für Hochbegabte. Die Schüler sind „ausgelesen“, gehören zur Begabungselite, soweit auf den IQ Test Verlass ist. Sie treffen auf ein förderndes Umfeld, auf Lehrer, Anregungen, Angebote, die ihrer Entwick­lung ideale Möglichkeiten bieten, um Leistungs-, Charakter- und Verantwortungselite, aber auch angenehme Mitmenschen zu werden, statt im Mittelmaß stecken zu bleiben. So steht zu erwarten, dass die Kosten, die die Gesellschaft trägt, durch die Charaktere, denen die Chance auf volle Entfaltung und Reifung gewährt wird, vielfach zurückgezahlt werden. Auch ökonomisch eine gute Investition!

Aber Begabung ist kein Verdienst; sie ist ein Geschenk und kein Grund zu Überheblichkeit. Begabung allein reicht auch nicht aus, um zu den Besten zu gehören. Der Erfinder Thomas Edison sagt: Genius is one per cent inspiration and ninety-nine per cent perspiration. Mit diesem hohen Maß an Anstrengung und Fleiß, das ihnen abverlangt wird, rechtfertigen die Schüler das Privileg, am LGH lernen zu dürfen.

Wir sollten uns durch die gegenwärtige Nabelschau um den Begriff „Elite“ nicht lähmen lassen. Was kümmert es uns, ob man uns dieses Attribut zulegt oder nicht? Das Ziel war und muss immer sein: eine gute Schule gelingen zu lassen für eine besondere Gruppe von Menschen, die anhand ihres intellektuellen Entwicklungspotenzials ausgesucht wurden. Wir sollten die beste Schule zu verwirklichen suchen, die im Rahmen der Möglichkeiten denkbar ist ohne uns um Begriffe zu streiten. Dazu ist jeder aufgerufen beizutragen, der das LGH „seine“ Schule nennt.

Ich persönlich meine, wir sind nicht Elite, haben aber den Auftrag, Elite bilden zu helfen – Elite im besten Sinne. Dazu sollten wir uns unbefangen und ohne Überheblichkeit bekennen. Und nicht vergessen, dass der Wert eines Menschen sich noch nach anderen Kriterien richtet als nach seinen intellektuellen Fähigkeiten.

Vergessen wir nicht: die Meisterschaft wird nur errungen, wenn das Team, die Spieler, die Trainer, die Vereinsführung gemeinsam und kameradschaftlich zusammenarbeiten. Fuß­ball spielen macht Spaß wie auch Lernen und Lehren in einem kameradschaftlichen und ehr­geizigen Team, in dem sich jeder über den Erfolg auch des anderen freuen kann und ihm beisteht, wenn er Hilfe oder Ermutigung braucht.


Ich danke meinem lieben Vater übrigens recht herzlich für die Unterstützung bei der Erstellung dieses Artikels! Auf das Heisenberg Zitat wäre ich nie gekommen...

17.12.08

Important Biographical Notice: Sabbatical Endangered

I have refused to believe it, even though the heavy cliuds of forbeoding were manifold: There is a ministerial release urging school directors to force the post-poning of sabbaticals in their staff by all due means, to counter the acute shortage of qualified teachers in Baden-Württemberg.

I normally refrain from using four-letter words in public, but hard times require hard lyrics.
So here:

F U U U C K !!!

Now I am interested to see what "by all due means" will imply.

And I'll keep yopu updated...

14.12.08

Vom IM zum Wg-M

Das Campusmodell des LGH sorgt ja für mancherlei Diskussion. Man sei nicht ausgebildet für eine erzieherische Tätigkeit, hörte man des Öfteren von den betroffenen Lehrern, als zunehmend die Erkenntnis durchsickerte, dass die Arbeit in einem Internat mehr verlange, als den lieben Kinderchen beim Lernen zuzuschauen. Die langen Dienste und mannigfachen Aufgaben sorgten für Überlastung und Überforderung - das sah und spürte man, wenn man sich im Spiegel erblickte. Und natürlich bedeuteten die unkonventionellen Dienstzeiten eine noch weitaus tiefgreifendere Einschränkung des Privatlebens als durch die Turnusstruktur und die damit verbundenen Wochenenddienste ohnehin schon gegeben – wie man es wohl erwarten darf, wenn man sich für eine Tätigkeit an einem neu gegründeten Internat entscheidet… Als Folge gehörte es bei vielen Kollegen des ersten Jahres bald zum guten Ton, darüber zu mutmaßen, wer sich wohl in Zukunft noch für diesen anstrengenden, aufreibenden, aufopferungsvollen Job hergeben würde, und zu prophezeien, dass das nahe Ende des Campusmodells sich deutlich abzeichne.

Das Vorkosten der erlegten Beute gehört zu den angenehmsten Pflichten eines Wohngruppen Mentors am LGH

(Foto: von Lerchenfeld 2008)


Nun, das Campusmodell erfreut sich heute bester Gesundheit – und musste nicht wegen Lehrermangel eingestellt werden. Doch nach drei Jahren als IM (Internatsmentor) hatte zugegebener Maßen auch ich die Nase voll – die ewig gleichen Diskussionen um die nicht gemachten Putzdienste, endlose WG-Ratssitzungen, sowie die pädagogischen Haarspaltereien als Folge eines sich immer mehr aufblähenden Bürokratismus der Internatsstrukturen hatten die Graswurzelanarchie und die damit verbundene Euphorie des ersten Jahres erfolgreich verdrängt. Immer mehr empfand ich die Zeit im Internat als gleichermaßen dumpf und aufreibend – natürlich auch, weil mich zu jener Zeit der Gedanke an Südafrika und die damit verbundenen Sehnsüchte in Beschlag nahmen. Zusätzlich waren die Auseinandersetzungen mit den Schülern (ich betreute zu der Zeit die Oberstufe) schärfer – bisweilen sogar verletzend - geworden. Statt von dem berauschend-beängstigendem Gefühl, auf einmal für 12 Jungs Papa-Ersatz zu sein, angetrieben zu werden (ich erinnere mich gut an meine erste Nacht am LGH, ich konnte kaum schlafen und lauschte auf die verräterischen Geräusche, die aus der Kaschl-WG 1.0 zu mir in meine direkt darunter gelegene Dienstwohnung drangen), lag ich nun öfter wach, weil mich Enttäuschung und Sorgen umtrieben.

Als Konsequenz zog ich mich im vierten Jahr aus dem Internat so gut es eben ging zurück – ein paar Nachmittagsaufsichten, ein paar Wochenenddienste, ein Abend die Woche als Co-Mentor in einer WG, in der ich mich nicht um viel zu kümmern brauchte, das war mein Arbeitspensum. Und ich gewann ein wenig der nötigen Distanz zu der Institution, die ich mit so vielen guten Intentionen und voller Elan einst mit aus der Taufe gehoben hatte. „Sie sind übermotiviert,“ hatte mir im ersten Jahr ein Schüler vorwurfsvoll entgegengegähnt, worüber ich damals nur grinsen konnte. Jetzt hatte ich plötzlich das dringende Bedürfnis, meine Zeit mit anderem zu füllen als dem Ärger über phlegmatische, zynische, sarkastische, schlampige, diskussionswütige etc. Teenager. Tango und Longboard wurden zunehmend als Hobbies relevant - und ich erkannte den Wert von Feizeitaktivitäten, die mich vom Campus herunter zwangen.

In der Vorbereitung des aktuellen Jahres aber begann ich zu zweifeln. Wollte ich mein letztes Jahr am LGH tatsächlich weiterhin in der pädagogischen Peripherie verbringen? Der Job des IM war zwar auf Begehr eines nicht unwesentlichen Teils des Kollegiums inzwischen in WG-Mentor umbenannt (was mich schon ein wenig kränkte – immerhin ging die Bezeichnung auf einen von mir in den Vorbereitungsseminaren des Jahres 2004 erarbeiteten Vorschlag zur Internatsstruktur zurück, und das nun als störend empfundene Wortspiel war zu jener Zeit noch als eine augenzwinkernde Auslegung der Mentorentätigkeit goutiert worden), aber dafür mit nicht unwesentlichen Vergünstigungen versehen: das Arbeitspensum war deutlich abgespeckt, und man lockte mit der Garantie eines freien Tages pro Woche. So stand ich denn vor der Entscheidung, ins Internatsleben zurück zu kehren, oder mich weiter vom Campusleben abzuwenden.

Ich entschied mich dafür, wieder eine WG zu übernehmen – und bemerke nun, nach einem Trimester Kaschl WG 4.0, wie sehr mir im vierten Jahr genau die Auseinandersetzungen und Aufgaben gefehlt haben, die mich damals so viel Kraft kosteten. Natürlich verliert man einen Abend Privatleben, wenn man in der WG Dienst hat. Doch was man zurück bekommt an Spaß, wenn man sich mit den quirligen, skurrilen, und teils ganz normalen Teenager herumschlägt, wiegt dieses Defizit locker auf. So verbringe ich die meistens eine angenehme Zeit mit meinen Jungs, lache mit ihnen über die überschießenden Hormonspiegel, freue mich, dass wir eine Form der Gemeinschaft etabliert haben, in der sogar der Spüldienst einiger Maßen funktioniert. Man darf gespannt sein, was in diesem Jahr noch so alles in der Kaschl WG passieren wird…

24.11.08

Gute Zeiten

Dieses (letzte) Jahr am LGH hält für mich gleich mehrere Highlights parat - ich berichtete.

Mittlerweile kristallisiert sich jedoch immer mehr heraus, dass die Produktion unseres Musicals wohl den Glanzpunkt darstellen wird - und dabei fast gar nicht mit Streß verbunden ist. Vielmehr zeigt sich hier sehr deutlich ein Phänomem, das unsere verehrte Bildungsministerin Annette Schavan zur Eröffnungsfeier des LGH im Jahre 2005 so umschrieb: "Die Arbeit mit hochbegabten Kindern gehört zum Schönsten, was einem als Pädagogen passieren kann."

Damals hörte man ein Rascheln und Hüsteln aus den Reihen des Kollegiums, und so mancher wird hinter diesen Worten Süffisanz, Ironie, oder gar blankes Unwissen vermutet haben. Umso erfreulicher, dass ich nun erlebe, was die Frau Ministerin gemeint hat - die Performanz wächst mit der Aufgabe. Die Arbeit macht Spaß, und das, obwohl alle alle Hände voll zu tun haben.

Das Konzept ist denkbar einfach und orientiert sich an dem vielzitierten Saint- Exupéry-Prinzip: Wenn Du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Leute zusammen um Holz zu suchen, sondern wecke in ihnen die Sehnsucht nach dem Meer. Und so bestehen die Proben nicht in einem möglichst guten Aufsagen eines auswendig gelernten Textes und gelegentlichen -mehr oder weniger kompetenten - Verbesserungensvorschlägen durch den Regisseur, sondern aus improvisierten Gesprächen zwischen selbst ausgeschmückten Charakteren und ihrer Begegnung in den verschiedensten Situationen - welche, in der richtigen Reihenfolge zusammen gesetzt, unsere Geschichte ergeben. Braucht mann nur noch aufzuschreiben.

Und der Kreativtät unserer Schüler bei der Arbeit zuzuschauen - das gehört tatsächlich zum Schönsten, was man am LGH erleben kann. Danke Frau Ministerin.




Eine audio-visuelle Darstellung des derzeitig erlebten intelektuellen free flows...
Etwas skurril geraten , ich geb's ja zu.
(Photos: Courtesy Maya Pics, 2005)

16.11.08

Life - a roller coaster


It was just a few days ago when I sat down at my typewriter and, filled by the overwhelming emotion of a day well spent, brought down on paper what I figured an accurate account of my current mental state – in principle one of happiness. If the rest of my time in Gmünd continued the way everything was going at the moment, I philosophized, then it was destined to be a big year.

A talented young photographer captured this frontside slide on my personal surf zone.
For more of his great works check this link. Copyright JG Sobez, 2008.


Not a day later, I found myself caught in a nightmarish patch of bad luck that lasted for some 48 hours. It has since abated, leaving me dazed, but for the most part smiling, in wonder at how the world has its own way of dealing with hubris.

It has to be said that SFG in the last few weeks really made a tremendous effort at passing for a cool city – tango events, longboarding trips, and student parties have significantly raised my adrenalin level and, at the same time, my overall contentness. Tearing down a hill on a piece of plywood at night holds unsuspected joy, as does the embrace of a stranger on the dance floor.

However, just when things could not seem better, life threw me a stick in the inconspicuous form of an E-mail - that I half ignored, partly due to lack of attentiveness (tearing and embracing do require an awful lot of focus, add sleep, that may be missing in other places), partly because I was convinced it wasn’t really relevant to me. It was an information that our school servers would be exchanged.

Two days later, when I was preparing lessons, smiling at the world and the birds singing outside my window, it dawned on me what that E-mail had really meant. My complete files of five years of pedagogical work had vanished from the school’s network. Worksheets, presentations, concepts for complete units, exams – everything had left for the electronic nirvana. My personal folder leered at me emptily. That one did it for the day - however it was only the first warning sign that the world was out to get me.

The next evening, when I had just consoled myself that maybe it was all for the best if I was forced to rethink and perfect all my working materials, my car gave up on me when I was on the way to Tango in Stuttgart. Almost without warning (I must admit I did ignore that red flashing light a couple of times previously; nothing had happened), first my headlights died, then the radio, and in the end the motor came to a sputtering halt and could neither be coaxed to revival with charming words nor with a pretended-professional check under the hood. The only noticeable result was that even the hazard flasher seized to function.

If there ever could have been any doubt that I was on a backswing of fortune by now, the incontrovertible facts were made plain on the Thursday evening shift in the boarding house. Charged with incredibly bad luck, I lost game after game of backgammon against any opponent willing to rub my nose in the dirt. Tired, sad, and beaten, I killed the lights and locked the door.


I leave it to the reader to figure out which of these afflictions affected me the worst. To maintain the balance, however, I can report that chances are good to retrieve the lost data (if the trusted specialist finds the time for that unpleasant job), the mechanic could not find ANYTHING wrong with the car, and calls it the will of Allah, and I did beat an unnamed opponent to pulp at abalone. So there. Ups and downs and all that. Hooray for boobies.



22.10.08

Bildung und Bindung - ein Appell

Im Deutschlandradio erklärt der kanadische Entwicklungspsychologe Gordon Neufeld, emotionale Bindung sei die wichtigste Vorraussetzung für erfolgreiches Lernen. Auf diese Aussage warte ich schon lange - handelt es sich doch um eine Erkenntnis, die meiner tiefen Überzeugung, dass ich nur von jemandem lernen kann, den ich mag, seine Entsprechung findet,- und auf deren Basis ich meinen Rolle als Mentor und Lehrer am Landesgymnaisum verstehe.

Nun sind sich Entwicklungspsychologen, Pädagogen und Neurowissenschaftler in diesem Punkt zwar einig, flächendeckend von Lehrern umgesetzt wird diese Erkenntnis jedoch nicht. Und zu Recht fragt sich so mancher Pauker, wie das eigentlich hinzubekommen sein soll, im zweiwöchigen 45-Minutentakt eine freundschaftliche Beziehung zu unzähligen Schülern aufzubauen. Doch nicht die Struktur alleine verhindert die Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse im Klassenzimmer - es liegt auch an uns, Lehren und Schülern, selbst.

Welches Gewicht bei der erfolgreichen Implementierung einer erhöhten Bindung die Erwartungshaltung der Betroffenen spielt, und welche Bedenken dem entgegen stehen, sieht man beispielsweise in der Entstehungsgeschichte unseres Internates - in welchem durch Doppelstunden, GM-Betreuung und Internatsbetrieb denkbar günstigste Vorraussetzungen für eine hohe Bindung zwischen Lehrern und Schülern herrschen. Die Wahrnehmung ein und derselben Situationen und Sozialgefüge, die Bewertung von Konflikten und deren Lösbarkeit jedoch ist durch zwei merklich entgegengesetze Überzeugungen gezeichnet - die Befürworter (Lehrer wie Schüler) des Campusmodells berufen sich auf die positiven Auswirkungen der persönlichen Nähe zwischen Lehrern und Schülern im Unterricht und im Internat - die Verfechter eher traditioneller Beziehungsgefüge verzeichnen gesteigerte Respektlosigkeit, und sehen eine Notwendigkeit für mehr Konsequenzen und straffere Sanktionierung von Fehlverhalten (wiederum Lehrer wie Schüler).

Vor dem Hintergrund der aktuellen Debatten erinnere ich mich mit etwas Wehmut an die 'gute alte Zeit' des LGH - bzw. an die Gründungs- und Planungsphase: Eine Schule zu bauen, in der Schüler und Lehrer an einem Strang ziehen, war unser definiertes Ziel, mit dem höchstministeriellem Auftrag, die Schule neu zu erfinden.

Dieser Auftrag kam von der heutigen Bundesbildungsministerin Anette Schavan - und wir am LGH täten gut daran, uns diesem Auftrag zu stellen, statt im Klein-Klein des Alltags frustrierende Sanktionierungsmodelle zu entwerfen um Probleme mehr schlecht als recht in den Griff zu kriegen, die wir meines Erachtens in der Kommunikation besser lösen könnten.

12.10.08

Der lange Weg vom Sie zum Du

Es ist an der Zeit ein erstes Resümee meines kleinen Experimentes zu ziehen. In einem Satz: Einerseits fällt es vielen Schülern sichtlich schwer, sich daran zu erinnern, daß sie mich nun duzen dürfen, andereseits kommen auch welche auf mich zu, von denen ich nie gedacht hätte, daß sie an dieser Anredeform mir gegenüber interessiert wären - und benutzen das kleine Wort völlig selbstverständlich.

Besonders süß ist das bei einigen der 7er - mit denen habe ich ja im Prinzip herzlich wenig zu tun, weder im Unterricht, noch in der WG, aber hier treffe ich auf einige der freundlichsten Reaktionen. Vielleicht gerade deshalb?
Am meisten Fuß gefaßt hat mein Angebot - kaum verwunderlich - in meiner WG. Hier würde ich schätzen, daß ich zu 80% mit 'Ulf' angeredet werde und zu 50 % mit 'Sie', die Tendenz ist aber eindeutig in Richtung der vertrauteren Form.
Im Unterricht klappt das Duzen am besten in der Klasse 9 - nun ja, sie hatten ja auch zehn Tage Vorsprung, und so eine Kanutour schweißt halt auch zusammen. Auch die 12er zeigen sich sehr angetan, hier bemerke ich auf der zwischenmenschlichen Ebene die größten Verschiebungen - und zwar zu mehr gegenseitigem Respekt.

Am meisten nachgefragt, wie es denn 'so geht mit dem Duzen' haben natürlich die Kollegen - und sind zum Teil offenbar überrascht, daß ich nichts negatives zu berichten habe. Nun gut, denken sich wohl manche. Kann ja noch kommen.

2.10.08

Gruppendynamik in Mecklenburg

Es war der Sonnenuntergang.
Foto: Ulf Kaschl 2008

Schon mal bei drei Grad gezeltet und trotzdem gut geschlafen? Schon mal in einer Milchwanne weich gekocht worden? Schon mal einen roten
Milan im Sturzflug einen Fisch greifen gesehen? All das gab es auf der diesjährigen Kanufreizeit der Klasse 9, und natürlich noch sehr viel mehr. Kurz vor der Abfahrt noch schien uns das Schicksal gar nicht wohl gesonnen, musste doch der Hauptorganisator der Tour mit hohem Fieber das Bett hüten. Doch in der ganzen Woche danach war das Gck uns mehr als hold: freundliche Kioskbesitzer, die Teenager mit Chupa-Chups für erfolgreiche Körperhygiene belohnten, einen relaxten Dönerverkäufer, der mal eben spontan 25 Mäuler stopfen konnte, frische, knackige Mecklenburg-Äpfel, sehr viel Wasser unterm Kiel, eine herrliche Landschaft um uns herum, nur ab und zu Nieselregen von oben– aber eben kalt. Saukalt, um genau zu sein – trotz langer Unterwäsche, Trainingsanzug und zwei Pullis hab ich in einem mit Baumwollcocoon verstärkten Schlafsack immer noch erbärmlich gefroren - doch an dem Tag, als ich wegen Schniefnase und rauher Kehle besonders still litt, wurde mir doch tatsächlich ein warmer Kakao ans Zelt gebracht, und eine extra warme Wolldecke organisiert – von aufmerksamen Schülern, wohlgemerkt.

Übersetzungsübung mal anders.
Foto: Isabell Meyer

Unvergesslich auch der Augenblick, als die Gaslampe in meinen Händen explodierte…oder wie wir die letzten Meter der Tour still, durch Hände und Füße im ‚Päckchen’ gehalten, uns aufs Ufer zutreiben ließen…

Besonders erfreut haben mich die Kommentare von Beobachtern der Gruppe – so gut organisiert, so selbstständig habe man hier noch selten eine Schulklasse zu sehen bekommen, klang uns fast täglich das Feedback von Campingplatzbesitzern und Zaungästen in den Ohren. Es war tatsächlich höchst erstaunlich, wie die Abläufe von Tag zu Tag besser funktionierten, wie selbstverständlich die neuen Schüler aufgenommen wurden, wie so mancher von ihnen sich traute, eine neue Seite zu zeigen – oder zu entdecken. Und wie die Gruppe stündlich spürbar zusammen wuchs. Mehr als einmal stand ich mit meinen Kollegen etwas abseits, beobachtete das Treiben bei Lagerfeuer oder beim Zeltabbau, und mein Pädagogenherz weitete sich zu einem saftigen Steak.

Gruppenbild mit Kanu.

Foto: Isabell Meyer 2008


Zu guter Letzt, nach fast hundert gepaddelten Kilometern, gab es auch noch eine Geburtstagstorte – und eine merkwürdig hektisch-entspannte Reise mit dem Schienenersatzverkehr der Deutschen Bahn. Nach einer Woche auf dem Wasser, braungebrannt und mit roten Backen, kamen wir ohne Verspätung wohlbehalten am Gmünder Bahnhof an. Und – fast ist es schade, das ich nächstes Jahr um die Zeit woanders frierend in den Schlafsack kriechen werde…aber nur fast.




22.9.08

"Du Arschloch"

Ein pädagogisches Experiment

Die lexikalische Semantik der deutschen Sprache ermöglicht anhand seiner Personalpronomina zwei Abstufungen im zwischenmenschlichen Beziehungsverhältnis. Die gesellschaftliche Norm verlangt dabei, dass eine Respektsperson - zum Beispiel ein Lehrer - aus Höflichkeit gesiezt wird. Die große Nähe und Vertrautheit zwischen Schülern und Lehrern des LGH gehört jedoch zu den Herausstellungsmerkmalen unserer Schule: die Hierarchiepyramide ist flach - aber natürlich trotzdem vorhanden.

Bereits seit den ersten konzeptuellen Vorbereitungsrunden im Jahre 2004 – wir hatten den höchstministeriellen Auftrag „Schule Neu Zu Denken“ - war für mich die Frage nach der besten Form der Anrede offen. Nicht nur aus dem Trümmerhaufen der 68er-Pädagogik ragte das „Du“ als ein möglicher Wegweiser heraus - auch die Erfahrungen in anderen Ländern und Institutionen ließen mich immer wieder an der Überzeugung, ein Lehrer müsse gesiezt werden, um seine Autorität zu gewährleisten, oder einer Konvention Folge zu leisten, zweifeln.

Viele der damaligen Überlegungen und Experimente sind, genau wie die rauschhaften Erfahrungen des ersten Jahres, einer ernüchterten Realität am LGH gewichen. Und doch - jener Zweifel wuchs im Laufe der Jahre. Menschen, die mich täglich und alltäglich umgeben, mit denen ich lange persönliche Gespräche führe, mit denen ich schwimmen, spazieren und ins Theater gehe, die mir sogar mal den Rücken mit Sonneschutz eincremen können, ohne das komisch zu finden – kurz, Menschen, mit denen man in enger persönlicher Beziehung steht, würde ich gerne auf gleicher Augenhöhe ansprechen. Selbst, wenn sie um einiges jünger sind, und obwohl ich ihre Leistungen im Unterricht mit Noten belege.

In der professionellen Diskussion über diesen nur scheinbar kleinen Unterschied der Umgangsformen sieht man sich als Advokat der größeren Nähe oft schwammigen Vorwürfen („Anbiederung“) und Schlagwörtern aus anderen pädagogischen Krisengebieten („Kuschelpädagogik“) ausgesetzt. Ernster sind da schon Befürchtungen zu nehmen, der Vorstoß habe systemische Sprengkraft: Die Entscheidung eines Einzelnen zum ‚Du’ berge eine nicht zu unterschätzende dissoziierende Kraft für ein Kollegium, so die Befürchtung - die ich auch nachvollziehen kann, und die mich letztlich immer von der Durchführung meines Vorhabens abgehalten hat.

Ein weiteres Argument gegen das Duzen lautet folgendermaßen: Es fiele wohl leichter, einem Lehrer „Du Arschloch“ ins Gesicht zu schleudern, als „Sie Arschloch“. Folgt man dieser Logik, begreift man die semantische Hierarchie also als Schutz vor verbalem Angriff. Meiner Meinung nach kann das für Polizisten und Gefängniswärter ein schlagendes Argument sein – in der gegebenen Situation aber würde ich stark dafür halten, einem Schüler, der – berechtigterweise oder nicht - das Bedürfnis verspüren sollte, mich derart zu betiteln, auch die Möglichkeit dazu eingeräumt werden sollte. Und zwar ohne, dass er damit gleich gegen eine weitere Konvention verstoßen muss, und sich in gewisser Weise strafbar macht. Als Erwachsener, als Schutzbefohlener, als Pädagoge kann ich vom beleidigenden Gehalt der Äußerung abstrahieren - und verstehen, dass hinter der Äußerung ein Konflikt steht, den es kommunikativ zu lösen gilt.

Nach viereinhalb Jahren des Abwägens ist nun also meine Entscheidung, getragen vom Kollegium des LGH, gefallen. Ich möchte jedem Schüler des LGH freistellen, mich mit Vor-. Nach- oder Spitznamen, „Du“ oder „Sie“ anzureden, so, wie es der Situation am ehesten entspricht. Ich erhoffe mir davon ein (noch) besseres - weil offeneres - Klima im täglichen Umgang.

Wie die Reaktion auf Schülerseite ausfallen wird, ob das Angebot angenommen wird, und ob es überhaupt etwas verändert – man darf gespannt sein. Einen ersten Eindruck habe ich bereits auf der Kanutour der Klasse 9 bekommen, wo ich den Start meines kleinen Experimentes verkündete (und von der bald noch ausführlich berichtet werden wird).

„Arschloch“ hat im Verlaufe einer Woche des intensiven Miteinanders jedenfalls keiner zu mir gesagt.

10.9.08

AKT - die Autonome Kanu Tour

Nachdem nun alle LGHler angekommen und in ihren WGS gut aufgehoben, die Lehrbücher ausgeteilt, die Beiträge für den fünften Ersten Schulabend beisammen sind, sehe ich mich so langsam genötigt, mich damit aueinanderzusetzen, dass ich die nächsten Tage (bis Sonntag 21. September) mit 22 Neuntklässlern auf der Mecklenburgischen Seenplatte unterwegs sein werde.

Und so liegt auf meinem Wohnzimmerboden heute abend die gesamte Cape Storm Outdoor Uniform bereit, der Trangia Kocher, der Klappspaten, die Hirnbirn, die SIGG Flasche, mein Kikoi, der immer mit muss, egal wohin... und trotzdem habe ich das Gefühl, noch irgendwie nicht gut vorbereitet zu sein - aber so war es immer, wenn es mit Schülern auf Reisen ging, und ich nicht nur für mich selbst verantwortlich war. Und irgendwie werde ich es auch diesmal schaffen, alle wohlbehalten nach Hause zu bringen - hoffe ich zumindest.

Unheil kündigt sich schon dergestalt an, dass mein treuer Gefährte, Begleiter und Erlebnispädagogikexperte, Herr H., erste Krankheitszeichen erkennen läßt, und mich unter Umständen alleine auf dieses Abenteuer wird schicken müssen. Oh weh. Wenigstens die Wettervorhersage ist relativ positiv, nur ein Tag Regen - das wäre ja schon fast traumhaft.

Nun denn, ich werde ob meiner Rückkehr berichten, was alles so passiert ist - und sollte dies der letzte Post in diesem Blog bleiben, dann sind wir wohl abgesoffen.

6.9.08

Weiter Gehts

Liebe vernachlässigte Leserschaft,

ich gebe zu, dass ich die angegebene Postingpause von drei Wochen ein wenig freimütig ausgelegt habe - doch natürlich hatte dies seinen guten Grund: Und zwar hat mir die digitale Freizeit in Spanien so gut gefallen, dass ich einfach beschloß, diese ob meiner Rückkehr in Gmünd fortzusetzen, und so tat ich eine gute Woche lang gar nichts, außer auf meinem Sonnendeck zu liegen und mich ab und zu zu wenden (daß ich nicht einseitig garen würde), sanfter Musik zu lauschen und mich gesund zu ernähren. Ich empfehle dies allen Lesern, die es sich leisten können, so eine faule Woche ist einfach herrlich.

(Wer wissen will, was sich in meinem Urlaub so alles interessantes ereignete, dem sei die folgende Fotokollektion zur genauern Betrachtung empfohlen, als auch die beiden links, die ein Licht darauf werfen, was zwei Biologen so passiert, wenn sie zusammen durch Nordspanien reisen: Petermännchen und Röschenflechte. Auf jeden Fall ist Nordspanien eine Reise wert ist, sei es aus kulturellen, kulinarischen oder sportlichen Gründen: Surf, Essen, und Land und Leute haben mich begeistert.)





Nun ist es aber seit eingen Tagen mit der faulen Herrlichkeit vorbei, die traditionelle Vorbereitungswoche (inzwischen meine 5. - und immer wieder dieselbe Geschichte: man ist bis an die Zähen vorbereitet, und dann wird doch alles anders kommen, als gedacht) stand ins Haus, neben der Planung von Projekten und Prozessen galt es natürlich, die neu eingekauften Kolleginnen und Kollegen zu begutachten - und ich denke, wir haben großes Glück, dass unser Kolegium um so sympathische Persönlichkeiten bereichert wird.

Tatsächlich beschlich mich auch ein leichtes Gefühl der Wehmut bei dem Gedanken, dass dies nun mein letztes Jahr am LGH sein soll - ein bisschen verfrüht vielleicht, aber (ähnlich dem langen Abschied der Abiturienten) beginne ich jetzt schon, im Geiste die Dinge aufzulisten, die ich nun also das letzte Mal erlebt haben sollte: DieVorstellungsrunde am Anfang der Woche, das Geschachere um Kurse, Stundenpläne und Aufsichten, die tiefgreifenden Veränderungen des Deputates und der Aufgaben in letzter Sekunde, weil mal wieder eine Bewerberin buchstäblich in letzter Sekunde abgesprungen ist - nun ja, nicht alles davon werde ich vermissen.

Auf jeden Fall wird dieses fünfte Jahr LGH für mich ein sehr intensives werden, große Ereignisse stehen ins Haus: Es beginnt damit, dass ich nun wieder Mentor im Internat bin und es folglich wieder eine 'Kaschl-WG' geben wird, auch als Gymnasialmentor habe ich mir einige interessante Schülerpersönlichkeiten abgegriffen, die ich nach Möglichkeit fördern und fordern werde. Kurz nach Beginn des Jahres steht ein besonderer AKT an, die Autonome KanuTour der Klasse 9 durch Mecklenburg-Vorpommern, und, als wohl größte Herausforderung, werde ich mit dem geschätzen Musikkollegen bis Pfingsten ein eigenes Musical auf die Bühne bringen.
Irgendwo dazwischen sollte ich auch mal in die konkrete Planung meiner Südamerika-Surfari treten, alle dahingehenden Hinweise und Tipps werden natürlich gerne angenommen.

Man darf also nun auf den Sonntag gespannt sein, wo die Heerschsar alter und neuer Schüler auf dem Campus einfallen wird - ich bin sicher, dass auch dieses Jahr randvoll mit spannenden, unterhaltsamen, vielleicht auch mal traurigen Geschichten sein wird - das Leben eben. Einen kleinen Teil daraus werde ich hier auf diesem Blog präsentieren -viel Spaß beim Lesen wünscht Euch,

Ulf

25.7.08

Sommerpause

Liebe Blogleser,

die nächsten drei Wochen werde ich keine Posts einstellen, da ich dringend eine digitale Pause benötige. Kein e-mail, kein Internet.
Ab Ende August gibts dann wieder frische Beiträge.

Schönen Sommer!

Euer Ulf

15.7.08

Zeichen und Wunder

Tja, man schrieb das Jahr 2008 im Namen des Herrn und das erste Alumnitreffen des LGH stand ins Haus. Dazu hatte ich eine Wiese angemietet in der Peripherie des legendären Gaskessels (in memorandum Goethe aka Hansi Flick) - jedoch, es schüttete, und auch das parallel stattfindende Sommerfest fiel ein wenig ins Wasser. Das hielt die Ehemaligen jedoch nicht davon ab, bereits ab etwa 14:00 Uhr bei mir einzufallen - und bei Wassermelone und Tiefkühlpizza nebst improviserten roten Biolinsen und dazugehörigem Informationsaustausch-wasserfall wurde ich gewahr, wie sehr ich diese Gesichter auf dem Campus vermißt hatte. Später gab es dann Sekt im "Pio"saal, eine Rede sowie die Vorstellung des ersten originalen LGH Alumi Blog, der hoffentlich bald mit Leben gefüllt wird.

Luftschlangen - auf jeder Party ein echter Renner.

Danach regnete es immer noch, und so beschlossen wir, einfach bei mir zu bleiben, im Garten stand ja auch die Feuerschale, es gab zu trinken, gegessen hatten wir, Abalone und Gitarre stand bereit... müßig zu beschreiben, wass dann geschah, auf jeden Fall war es ne lustige Nacht - wir führten sogar eine neue Tradition am LGH ein, die heißt "Wenn die Ehemaligen nach Hause kommen, wecken wir um etwa halb eins das ganze Internat auf!" Schließlich landeten alle wild verstreut auf meinem Fussboden gequetscht, einige waren auch zum Nachbarn oder in den Garten ausgewichen, trotzdem gab es wohl kaum einen freien Quadratzentimer auf dem Fußboden.

Pust pust pust. Oh Gott! Soviel Luft geht in eine Matratze!

Das Beste an der ganzen Sache war jedoch, dass ich am nächsten Tag früh aufbrach zur Wasserskifreizeit der Klasse 8 (aber das ist eine andere Geschichte...), mein freundliches Zuhause in wildestem Inferno zurücklassend, zwei Tage im strömenden Regen zu zelten, mir aufgrund übersteigerter Risikofreude reißenden Schmerz in den Unterarmen zuzufügen, nur um nach Hause zu kommen... doch als ich durch die Tür trat, traute ich meinen Augen kaum - die Wohnung war blitzblank. Kein Stäubchen, die Zeitungen waren gebügelt. Gerüchten zufolge hat sogar ein gewisser Leser aus Berlin den Besen geschwungen.
Es geschehen also doch noch Zeichen und Wunder...

14.7.08

Happy First Birthday

This blog has now been online for all of twelve months, has grown, flowered and prospered - and turned out to be something completely different than originally intended.

Oh well, you gotta go with the flow.

Thank you for all contributions, criticisms and comments both online and offline...and the cake.

Chocolate Cake á la Maya. Mhmmmm. Flavor Explosion Guaranteeed.

I hope to see you all again soon. And oh yeah - do bring your friends...:-)

Ulf

11.7.08

Surfin' LGH

Abends, wenn die Dämmerung über den Campus fällt, hört man seltsame Geräusche aus Haus 12 dringen... den Lautäußerungen aus einem Affenhaus nicht unähnlich, geben einige präpotente Männchen ihren Testosteronüberschuß durch lautstarkes Gebrüll kund, das vom anderen Ende des Gebäudes gleichermassen beantwortet wird. Ab und an wird kreativ die Art der Lautäußerung gewechselt, von inartikuliertem Vokalglissando hin zu einem hämisch langezogenem Anglizismus, der sich auf das in letzter Zeit liebste Fortbewegungsmittel eines in diesem blog bekannten Lehrkörpers bezieht.





Aber ja, stimmt, ich bin ein Longboarder. Danke für das Kompliment, Jungs.

1.7.08

British Airways SMS correspondence

Of course our journey didn't end at Heathrow Terminal 5, and lots of other stuff happened, but three days and some ciders later I did manage to bring everybody home in one piece. But alas - fate had one more trick up its grimy sleeve. When the baggage reclaim belts stopped moving, whose suitcase should have gone missing, but mine. Just what I needed...

That's me. I always look like this.

Now these things happen, and there's not very much you can do about it, so you might as well smile. I have to admit however, that over the next two days of waiting for my luggage I lost my temper just a little bit, which is to blame on the nice SMSs British Airways kept sending me - apparently to keep the misery of my toothbrush and t-shirts gone missing always freshly in my mind. Here are two nice ones:

"*-GUTEN TAG IHR GEPAECK SOLLTE HEUTE AUF DEM FLUG BAXXX UM 11UHR00 ANKOMMEN-." absender BA

This was Saturday afternoon. Joyful as this message was, the one that came a day later was almost flirtatious in tone:

"*-IHR GEAPAECK IST LEIDER NICHT ANGEKOMMEN/GERNE TEILEN WIR IHNEN SOBALD WIE MOEGLICH WEITERE AUSKUENFTE MIT. VIELE GRUESSE-." absender BA

I don't know what your most memorable SMS are, whether it was the end of a tedious love affair, or the insufficience of your cash funds, but this last one will definitely stay in my memory as the sweetest computer generated message ever...

26.6.08

Murphy's Law Strikes Again

I already knew from previous experiences that traveling with students is more fun than bubble wrap, but yesterdays voyage to the Open Day at Oxford puts a good claim to the title on my personal things-gone-wrong-in-just- 24-hours hit list.
On our way to London, airline schedules made us get up at 4 o'clock in the morning, however, and surprisingly, everybody turned up almost punctually, so we were off to a good start to the airport - and my sense of foreboding lulled into peaceful delusion. The moment we turned up at the "Fast Baggage Drop" counter, however, it was clear from the angry mob queuing in front that not all things would run smoothly today. A faulty brake on the aircraft had been detected (luckily, whilst still on the ground, as I reasoned with my kids), and the spare part would be flown in from London. All in all, we'd be on our way by half past one that afternoon. Joy and Rapture. A voucher 15 Euros worth of delicious breakfast did the trick to keep everybody happy and we spent the morning strolling around the exciting city of Stuttgart thusly.
Landing in London, we headed for customs. It was there that things started to get a little bit more hectic. With a smile akin to blissful, one of my dear ducklings informed me that his passport had gone missing on the way from airport to airport. Strangely, not even an immediate search of the aircraft, his pockets and backpacks, and every body else's bodies and backpacks yielded the document. Oh, well. With immense charme I eventually managed to persuade the rather frosty looking officer to let us through anyhow (my god, you have to understand, the kid is gifted...), only to embark on an odyssey through Terminal 5 in search for the correct counter to report the tragic mishap.
It was to be found in a place called "Excess Baggage", I was informed at the British Airways Claim Desk at the Baggage claim. At "British Airways Excess Baggage", which is located about a mile away, they told me to go to the "Excess Baggage Company" on the third floor. I left my group in charge of our luggage in a meeting area, grabbed the unlucky student by the hand and headed for the new destination. When we finally found the company shop, which was full of suitcases standing around the main desk waiting to be sold, the clerk told me to got to the main office on the ground floor. By now I was grinning from ear to ear. This was better than Kafka. Happily, we sauntered off.
On the escalator down, I noticed that my unlucky student was pulling a very new looking trolley suitcase that had a price tag on it. It dawned on me that something weird was going on, and that this journey to Oxford was one I'd remember a long time. "Whose suitcase is this?" I asked, sweetly. The student looked at me in wonder. Looked at the trolley, back at me, before again smiling with such innocence as would buy any sinner a ticket straight to heaven. "Well... it's yours, isn't it?" I shook my head.

"Oh", he said, looking down at the object in question. "Well, I'd been wondering why it was so light. At least that's clear. It's empty." He beamed at me. "So, what should we do with it now?"

As I mentioned before, traveling with students is more fun than bubble wrap.

17.6.08

An almost normal Monday

There are days where you get the distinct feeling you should have stayed in bed... such was my feeling yesterday as I raced towards the school building on my longboard - as of late my favourite mode of transportation. To be quite honest, the day had started as tranquil as it can get, with a nice cup of coffee in the morning sun, enjoyed in total absence of obligations - or so I thought. When the phone rang and I saw the name of the deputy headmaster blinking on the display, I knew I was in for something. And indeed - I had completely managed to ignore the fact that I had been assigned the first shift of watching the hallway during the oral Abitur examinations.
Hair standing on ends, and transpiring some first sweat beads of the day, I arrived just in time to shake the hands of the very strict looking president of the examination committee. From then on, the day just got better.
In the break following, I managed to first let drop a piece of watermelon on my shirt and the floor (where it left its mark in both cases), only to go on to break a plate of the precious mensa china. On the way over to the next class, the watermelon stains were joined by some coffee splashes, adding yet another color pattern on my shirt. Having more or less successfully ignored these trifles and the ensuing sneers of my literature class, I went on blissfully to copy my materials for the next lesson, my ninth grade biology class. Whistling, I multiplied workpage after workpage, and went over to the Campus building well-prepared, and in th econviction of finally getting a grip on this day. Or so I thought.
Two minutes before the start of the lesson it finally dawned upon me, that in fact, it was not the ninth grade biology class that was awaiting my disclosures on the secrets of human reproduction, but my English eight graders plus an extra English class I was supposed to take care of due to the absence of an esteemed colleague.
Oh, well, as I said in the beginning - this day I could have well spent in bed and not missed much. Then again, what can be nicer than an emotionally induced state of confusion...

15.6.08

Kennenlerntag am LGH


Es begab sich also zu der Zeit, dass sich alle kenne lernen lassen sollten, und so lud das Landesgymnasium ein am Samstag dem 14. Juni 2008, zum mittlerweile fünften Kennenlerntag. Rund 50 neue Schülerinnen und Schüler nebst Eltern und Geschwistern galt es von elf bis vier zu beschäftigen, mit Informationen rund ums Internatsleben zu versorgen, und ihnen hoffentlich die dringendsten Fragen zu beantworten. Die Aufregung über all das Neue stand so manchem ‚Neuen’ ins Gesicht geschrieben, ebenso die Erleichterung, jetzt tatsächlich zu dem erlauchten Kreis der LGHler zu gehören.

Es bleibt allerdings auch für die etablierten Schüler und Lehrer immer wieder eine faszinierende Veranstaltung. Die Spannung auf die neuen Gesichter, die Enttäuschung oder Freude über die Auswahl des Einen oder der Absage für den Anderen Bewerber, die erst jetzt richtig durchschlägt. Es ergibt sich auch ein erster Eindruck von der ‚Chemie’ in den neuen Klassen, und bei mir stellte sich tatsächlich so etwas wie Wiedersehensfreude mir der ein oder anderen - inzwischen kategorisierbaren – Verhaltensoriginalität ein, die man vielleicht aus der ersten Generation noch kannte und in den nachfolgenden etwas vermisste…

Und immer wieder gibt es jemanden, der mit dem Wort ‚Nacktmull’ etwas anfangen kann.

14.6.08

Über D-Land

Regen ist Reichtum, sagte S immer. Als ich den Blick schweifen ließ, und auf die saftigen Weisen und üppig tragend, lindgrünen Baumkronen blickte, wurde mir die ganze Schlagkraft dieses Satzes bewusst und erwischte mich schwer im Magen. Man kann nie wissen, wo man Schönheit findet. Kann sein, du siehst sie an einem Samstagnachmittag in der schwäbischen Provinz. Genau wie das Glück. Das kommt auch nur aus den komplexesten Sachzusammenhängen als by-product zustande und nicht als Resultat einer gezielten Anstrengung.

Im Tal startete jemand seinen alten Golf.

Regen ist Reichtum, sagte S immer. Als ich den Blick schweifen ließ, und auf die saftigen Weisen und üppig tragend, lindgrünen Baumkronen blickte, wurde mir die ganze Schlagkraft dieses Satzes bewusst und erwischte mich schwer im Magen. Man kann nie wissen, wo man Schönheit findet. Kann sein, du siehst sie an einem Samstagnachmittag in der schwäbischen Provinz. Genau wie das Glück. Das kommt auch nur aus den komplexesten Sachzusammenhängen als by-product zustande und nicht als Resultat einer gezielten Anstrengung.

Im Tal startete jemand seinen alten Golf.

"Eine Esche."
"Weiß ich. Heißt Ygdrasil."
"Den hohen Baum netzt der Nebel."
"Darunter saß ich und zermalmte eienn Halm."
"Von dort kommt der Regen, der in den Tälern fällt."

Regen - Regen ist Reichtum, sagte S. Als ich den Blick schweifen ließ, und auf die saftige im Sonnenschein liegenden Wiesen, die lindgrünen Baumkronen blickte, da wurde mir der ganze Nährwert dieses Satzes bewusst und erwischte mich im schwer im Magen.

Nie kann man wissen, wo man Schönheit findet. Mag sein, du triffst sie an einem Samstag nachmittag in der schwäbischen Provinz.
Oder das Glück. Byproduct komplexer Sachzwänge? Resultat gerichteter Bemühung? Oder eben - Glück.

Unten im Tal startete jemand seinen alten Golf.

12.6.08

MemeFest

Was wirft einem das Netz eigentlich so vor die Füße, wenn man ‚Milchmädchen’ bei Goggle eingibt? Die Antwort hier:

http://www.milchmaedchen-design.de/?page_id=17

Kurz stutze ich beim Überfliegen der Seite. Eine interaktive Konsumspielerei oder das Web 3.0? Das Internet bietet die größtmögliche Verlinkung von Dummheit, aber eben auch von Intellekt, und das unterscheiden zu können ist wahrscheinlich die große Kunst dabei.

Blogger schreiben aus den unterschiedlichsten Motivationen heraus - ob aus Narzismus, pädagogischem Drang oder Verspieltheit. Tatsächlich aber bieten Blogs den Lesern sehr wohl die Möglichkeit, sich unabhängig zu informieren - oder verblenden zu lassen. Ich selbst höre ja gerne mal die persönlichen Statements anderer Leute, und zwar nicht nur von Profis, die wissen, wie man Meinungen manipuliert, sondern von Experten in ihren Fachgebieten, die evtl. an der Semantik noch ein bisschen feilen müssten.

Oder eben einfach Menschen, die Erfahrungen gemacht haben, die mir verschlossen bleiben werden. Ich werde nie ein absolutes Gehör haben, oder wissen, wie es ist, in Djakarta in einer Wellblechhütte geboren worden zu sein.

Und hier liegt die Chance des Internet – eine reele Chance auf die Potenzierung unseres Sinneorgane, und hoffentlich auch der geistigen Kapazität der Menschheit, möchte ich meinen.

Wenn's denn keine Milchmädchenrechnung ist. Und es in der Wellblechhütte in Djakarta einen Internetanschluß hat.

LGH Fußballfans nicht krisenfest

Na toll. Deutschland kämpft und verliert gegen unangenehme Gegner und die gute Stimmung ist dahin. So weit, so unspektakulär, so menschlich. Richtig bedauerlich ist allerdings, wenn der Nationalmannschaft bereits nach dem 2:0 (in der 60. Minute!) die Solidarität gekündigt und demonstrativ die Aula verlassen wird. Hallo liebe LGH Schüler? Schon mal was von Durchhaltevermögen, Standhaftigkeit, Kampf bis zur letzten Minute gehört? Teamgeist?
Statt dessen wird die Leinwand beschmissen, der Schiedsrichter für unfähig erklärt, und die Gegner beschimpft. Das kann man dann wohl nur noch charakterlos nennen.

Noch zur Halbzeit wurde ich gefragt, warum ich denn zum Spiel der Nationalmannschaft nicht die Nationalfarben trüge. Nun, ich trage sie im Herzen, war meine Antwort. Umgekehrt möchte ich die Frage stellen, mit welchem Recht manche Fans die deutsche Fahne schwingen, solange Poldi für uns die Tore schießt, aber das sinkende Schiff verlassen, wenn es mal nicht so gut läuft – und die Mannschaft eigentlich Rückendeckung braucht! Wo seid ihr, Fans, die ihr der Mannschaft Mut mach, sie vorantreibt, und selbst in der Niederlage noch ein „You never walk alone“ anstimmt?

By the way... Wenn etwas deutlich wird bei dieser EM, bei der die Polen für Deutschland und die Türken für die Schweiz die Tore machen, dann, dass die Idee der Nationalstaaten, die sich auf Erbrecht gründen, zumindest im Fußball endgültig hinfällig geworden ist. Identifikation mit der gemeinsamen Idee, möchte man schließen, sei wichtiger als das Blut oder Geburtsort. Dem stimme ich von ganzem Herzen zu – aber wenn Rumjammern, die Flinte-ins-Korn werfen, und schlechte-Verlierer-sein die neuen deutschen Tugenden sind, wäre ich doch lieber Schweizer. Oder gleich Engländer.

9.6.08

Das LGH im EM-Fieber

Uni-Park, später Sonntagnachmittag. Still liegen die Grünanalage im Junisonnenschein. Drei alte Männer auf einer Bank schauen den Spatzen beim Vögeln zu. Doch plötzlich - lautes Gejohle zerreißt die Beschaulichkeit. Fahnenschwenkende Jugendliche mit bunt angemalten Gesichtetern promenieren Fahnen schnwenkend in Richtung Aula. Mädels in kurzen Röcken behängen sich mit schwarz-rot-goldenen Plastikblumen, und einige Lehrer tragen Fußballtrikots längst vergangener Tage. Es gibt wieder ein Fußballfest zu feiern - und die LGH-Aula bietet bei Weitem die stimmungsvollste Atmosphäre in der näheren Umgebung - sowie die größte Leinwand.

Die EM-Elf spielt auch mit und beschert einen Auftakt nach Maß - der Pole schenkt den Polen ein, was bei einem Schüler für Enttäuschung sorgt - der aber weitherhin die rot-weiße Fahne aus dem Fenster wehen läßt - und bei allen anderen für Glückshormonshöchstpegel (außer bei der englischen Fraktion, aber das ist ja noch eine Geschichte für sich...). 'Lukas Podolski' schallt es rythmisiert durch die Aula - und ich muss an einen Moment denken, vor zwei Jahren, als die Israelis da waren und wir gemeinsam die deutsche Hymne sangen. Der Moment kommt nicht wieder, aber die Erinnerung an die Gänsehaut von damals ist stark.

Auf jeden Fall schön, dass es wieder ein großes Ereignis statt findet, an dem mehr oder weniger die ganze LGH-Gemeinschaft Anteil nimmt - je größer die Schule, umso seltener kommt dieses Gefühl ja auf. Wollen wir hoffen, dass die deutsche Mannschaft weiterhin überzeugend spielt - auch für uns.

4.6.08

Interview mit WeiterGen

Zur Zeit treibt ja viele Menschen die Frage um, wie das Internet die menschliche Gesellschaft prägt und verändert (so z.B. nachzulesen in der aktuellen Serie der ZEIT). Als privaten blogger, der seinen Teil zu diesen Veränderungen beiträgt, betrifft mich dises Frage natürlich sehr direkt - und ich habe mich schon in so mancher Debatte mit diversen Familienmitgliedern und anderen Personen wieder gefunden, in der ich widerwillig auch die ein oder andere Verletzung der heiligen Privatsphäre einräumen musste.

Nun gibt es ja auch seriöse blogs, die sich auf die Fahnen geschrieben haben, althergebrachte Kanäle der Information zu ergänzen, das Wissen und dessen Vermittlung gewissermassen zu demokratisieren. Hier darf man tatsächlich sehr gespannt sein, ob sich ein Spreu vom Weizen trennen wird, und Maßnahmen zur Verifizierung der veröffentlichten Informationen, wie z.B. Qualitätssiegel etwas bewirken.

Nachdem das LGH ja bereits in den verschiedensten Massenmedien präsent war, hat sich nun auch ein Autor des Bloggerverbundes scienceblogs.de des Themas 'Hochbegabtenförderung am LGH' angenommen. Das Beachtliche dieses Beitrages ist m. E. nun tatsächlich der Authentizitätsgehalt - so wurde zwischen Anfertigung und Veröffentlichung nichts Wesentliches verändert, was ich in dem Fall recht gut einschätzen kann... auch wenn der etwas reißerische Titel sicherlich nie so über meine Lippen gekommen wäre.

Hier geht's zum Interview mit WeiterGen

Von allen Beiträgen zum LGH in der Medienlandschaft ist dieser also der ungefiltertste - der Autor verzichtete darauf, alte Klischees journalistisch aufzuarbeiten und ein Klischee zu bedienen, sondern zeigte echtes Interesse und Offenheit für die Fragen im Umgang mit Hochbegabten.

1:0 für die blogs, würde ich sagen.

31.5.08

Anleitung zum Spicken

Sooso. Ein bisschen Populärwisenschaftspädagogik gefällig? Ich musste jedenfalls herzhaft lachen.

29.5.08

Was geht am LGH

Es ist Sommer und die Leute schlafen draußen auf dem Balkon, was einigen Lehrern passt und anderen nicht. Jemand kam auf die Idee, ein Volleyballfeld aufzubauen, und es hallten Gejohle und Gekreische über den Campus. Es gab Verletzte. Die Jungs schlichen verschwitzt vom Platz und drängten sich in den Duschen. Bei den Mädels drangen noch lange nach der Bettzeit geflüsterte Geschichten aus den offen stehenden Balkontüren. Die Nacht war lau wie in Italien. Die B 29 kaum zu hören.

IdeenPark 2008

After a much-too-short holiday and a successful trip into the past (see other posts), it was back to business with a vengeance even before the holidays had come to their proper close. LGH was present at the IdeenPark, an initiative by ThyssenKrupp to generate interest in science and technology.
I spent two days at the LGH information stand, explaining to the interested about how to extract DNA from tomatos with household materials (it's easy: all you need is a source of DNA, a blender, washing liquid, contact lens cleaning solution, and ice-cold alcohol). Crowds were enormous, there was hardly time for catching one's breath between demonstrations, and people had to wait for over an hour at times to gain entry to the individual theme parks.

Yes, this is fun. It involves the massacre of real live tomatos.

What struck me most about the whole thing, however, was that already very small children (grades one and two and the like) showed an acute interest in the topic. Lots of explaining was necessary, of course, but I do believe to have observed a marked curiosity in things that in my day were completely out of our intellectual grasp. Thinking back, I guess I first heard of DNA in tenth grade. It seems we've come a long way, baby.

15.5.08

Nine reasons why I like Brno more than Prague

…because most people speak neither German nor English.

…because there are only two McDonalds and no Svarovski outlet (as far as I can tell).

…because in the first half hour there I got smiles from at least five hot girls in scanty clothing. (After that, I stopped noticing).

…because the cabbage that came with the leg of rabbit was of unsurpassed tastiness.

…because you actually feel that you are in a different country.

…because there is a shop selling ‘mesni burek’.

…because the bars were full with people watching ice-hockey and yelling good-humoured abuse (as far as I could tell).


…because of ‘urbanism festival’: students from the faculty of architecture who are about to take their exams first have to organise and take part in an art happening that takes over the action on main square for sixty minutes. Amongst other things, we saw people playing asphalt volleyball, meditating for world peace, making classical music from atop advertisement pillars and from inside the water fountain, taking stuffed pets for a walk, and wrapping the public phone booths in toilet paper. Reclaim the streets!

Sharing a moment at urbanism festival

…because it was here that Gregor Mendel spilt his beans over counting peas.

All in all, the vibe is one of youthfulness and creativity – reminding me of Ljubljana a lot, and that fact alone weighs heavily in my judgement, as will come as no surprise to you…

14.5.08

A glimpse of true Bohemian lifestyle

The lake.

It takes nearly two hours to cover the eighty kilometers from Prague to Stary Splavy, but neither the time it takes to get there, nor the distance traveled really can express the difference between these two places – it couldn’t be more drastic.

Leaving Prague with the distinct feeling of having seen nothing but the tourist race track, eyes still glazed over from the reflections in glitzy shop windows, ears buzzing with the whirr of rapidly expanding western consumerism, I was a bit strung out over having missed an opportunity to connect with the past.

Here however, in the birthplace of my grandfather, listening to the early morning birds greeting the sun rising over a placid lake, I finally feel the idea behind our trip come into life. I stop to sit and breathe the air, taking in the smells of the spring emanating from the vicinity – and the little drowsy village, where lush forests and plentiful fields abound, where in the distance the old ruin of 'Bösig' castle protrudes from the mists on its dramatically benign hill, transforms itself to the place described to me in countless bedside stories.

Here I can do it, here I can imagine, almost a hundred years ago, a little boy of five or so run through fields, catch fish with a self-made rod cut from a hazel bush, play under the big wheel of the mill that gave the place its German name of yonder, Thammühl.

You, little boy, whose blood now runs through my own veins, here I can imagine how you endured the strict rule of your own father in school - before setting out to become a teacher yourself, continuing a family tradition, that lives on to this day in my own doing. Here, where the echo of the wood grouse, whose secret mating rituals you breathlessly witnessed from the underbrush, still seems to ring through the night, here I listen to the murmuring silence of the lake, in whose boggy coves you learned to swim, dive and lay silent in pursuit of pike and crane, qualities which were then acquired playfully, but would prove life-saving on your adventurous treks over the borders of hostile states forty years and two devastating wars later.

In Stary Splavy, we managed to discover not only the birth-house, the old school, but also identified the old mill, as well as a pub with a tradition of more than a century, all mentioned in my grandfather’s memoirs that guide us on our quest. We also re-discovered the grave of my great-grandparents, all but overgrown by brush, on the small cemetery of Doksy, which once was called ‘Hirschberg am See’.

But more importantly than all those places and buildings - it seems to me that by coming here and listening to the sounds coming from the inside, I have unearthed a part of my soul.

12.5.08

Terrourism

When you cross Charles Bridge and clamber up the hill towards the Hradcin, leaving the crooked streets and red tiled roofs of the Golden City below you, you will come upon a cheap looking restaurant on your left hand side. The brightly chalked menu boards will scream tourist-trap, the music emanating from the dark interior will be that of cheesy radio stations, but because your feet are tired and your stomach empty, and because surely one restaurant up here will be like any other, and anyway, the throngs of tourists pushing past you have filled up nearly all the other places, and, oh well, you for once want to dodge the self-inflicted expectations of the experienced shoe-string traveller, who supposedly always finds the best deal in the most romantic places, you pull up a rickety chair and opt for the tourist menu.

A trip to the toilet gives a first warning that in this food joint guests are not treated without a certain contempt - the fat bartender only nods you through after the assurance from the haggard waitress that in fact you already ordered. Once your food arrives the nagging doubt that you may have been nurturing turns into certainty, as the dumplings are stale as styrofoam and the goulash has a garish aftertaste of tinned sausages and MSGs.

Before you have even finished your beer, the check arrives, leaving you wondering where the fifty crowns worth of cover charge have featured in the service, and with a slightly upset stomach and the sour feeling of indigested indignation you re-integrate into the steady flow of camera-waving visitors.

This graffito from Barcelona says it all.

The dilemma of the traveler lies exactly here, where making the distinction between consumer and discoverer stops being merely an instinct but becomes a conscious effort. Prague is a stunning city, and I should be able to feel family history reverberating from every niche and corner – and yet, I have to admit, I myself contribute to the unweaving of the magic, to the masses of feet dragging over the ancient cobble-stone, and degrading the awesome sights to just another checked box on my agenda, yet another snapshot.

In that case, getting ripped off in a cheesy restaurant is probably the just revenge.

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