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22.7.10

'Surfen macht mich glücklich'. Ein Interview mit Peter Prochaska (II)

Leben und Surfen in Südafrika – ein Traum? Peter Prochaska ist mit 28 Jahren den Schritt gegangen. Er kehrte dem sicheren Bankjob in seiner Heimat Schweiz den Rücken, um in Kapstadt als Surflehrer zu arbeiten. Mit News from Nowhere spricht er über seine Leidenschaft für das Wellenreiten und wie er den Alltag in Kapstadt erlebt.


Traumhafte Sonnenuntergänge über der Innenstadt.
In Cape Town fast täglich zu beobachten.

NfN: Peti, Du lebst und arbeitest in Südafrika, einem der angeblichen gefährlichsten Länder der Welt. Wie gehst du mit dem Alltag hier um, wie erlebst Du Kapstadt?

PP: Also mir gefällt es hier sehr – ich glaube, ich blick noch nicht so ganz durch (lacht). Auf mich wirkt es auf jeden Fall so, als wären viele Leute sehr, sehr arm, aber trotzdem irgendwie glücklich - als versuchten die meisten, das Beste aus dem Tag zu machen. Und sie sind freundlich auch gegenüber Leuten, die so offensichtlich mehr haben als sie selber. Wenn man hier einen Straßenverkäufer anlächelt, aber nichts kauft, dann lächelt der zurück und wünscht einem eine schönen Tag. Von der Landschaft, vom Meer her, ist Kapstadt, und Südafrika allgemein, natürlich etwas ganz Wunderbares.



'Buy some naartijes, man!' Straßenhändler in Kapstadt.


NfN: War es eigentlich Zufall, dass du bei enDo Südafrika gelandet bist?

PP: Also die Massenabfertigung in Surfcamps wie ich sie z. B. in Frankreich erlebt habe, gefiel mir nicht. Ich finde, da wird Surfen anders verkauft, als es eigentlich ist. Mal ein Brett auszuleihen, und sonst Party machen... ich glaube das Surfen ist mehr, und enDo versucht, das auch zu vermitteln. Gerrit Handl (der 'Kopf' hinter enDo Südafrika, Anm. d. R.), war ja schon von Anfang an mein Mentor. Als ich dann vor zwei Jahren das erste Mal hier unten in Kapstadt war, hat es mich so begeistert, auch ohne Gerrit, auch ohne Surfcamp, dass ich gerne wieder gekommen bin.

NfN: Du sprichst davon 'wie das Surfen eigentlich ist'. Kannst Du etwas über das Wellenreiten sagen, ohne lächerlich zu klingen?

PP: Hmmm, schwierig (lacht). Ich habe noch keinen Weg gefunden, einem Nichtsurfer etwas über das Surfen zu erklären, ohne das man sich dabei blöd, arrogant, oder verträumt vorkommt. Meine Freunde verstehen noch von meinen Snowboardzeiten her, dass das was ich gerne mache, exzessiv betreibe. Für mich bedeutet dass, das ich etwas solange mache, bis ich genug davon kriege, und wenn es das Richtige für mich ist, kriege ich nie genug davon (lacht). Der Bankjob war es auf jeden Fall nicht (lacht).

Beim Snowboarden stand ich vom ersten bis zum letzten Tag der Saison auf der Piste – aber wenn ich mich zwischen Surfen und Snowboarden entscheiden müsste, würde ich ohne zu zögern das Surfen wählen. Und so habe ich das auch meinen Freunden erklärt, und die haben verstanden, okay, er muss etwas gefunden haben, das muss etwas sein.



Welle wartet auf Surfer. Hier am Scarborough Beach, Kaphalbinsel.


'Normalen' Menschen das zu erklären,finde ich sehr schwierig, weil man sich ja auch nicht den Anschein geben will, einen Funsport zu etwas zu erheben, das über Allem steht. Letzten Endes ist es aber genau so: Wenn man surfen geht, lässt man alles andere komplett hinter sich. Man setzt sich mit den Elementen auseinander, und in dem Moment, wo man auf der Welle ist, bleibt irgendwie die Zeit stehen, und alles andere wird unwichtig. Und diesen Moment liebe ich.

Meine Mutter, die so überhaupt nichts mit dem Surfen am Hut hat, hat mir einmal an den Kopf geworfen: 'Seit du surfst, bist du ausgeglichener und glücklicher.' Das hat mich schon sehr überrascht, weil sie einerseits Dinge in der Richtung nur sehr selten sagt, und weil ich mich andererseits mit meinen Eltern noch nie wirklich über das 'Warum' des Surfens unterhalten habe. Ich weiß ja auch nicht ob das jetzt so stimmt oder nicht, aber ich denke, wenn eine Mutter das zu ihrem Sohn sagt, dann wird da schon was dran sein.

NfN: Was ist denn dein Lieblingssurfspot?

PP: Ich sag jetzt mal: Die Kapregion (lacht).

NfN: Das müssen hunderte Spots sein...

PP: Ja, also, im Ernst. Lieblingsspot... ich will mich nicht unbedingt festlegen, aber was ich schon gerne mag sind die West Coast Spots, und diese Ecke in der Nähe des enDo Camps besonders - Big Bay surfe ich immer gerne immer wieder.

NfN: Peti, danke für das Gespräch. Und alles Gute!

PP: Gern geschehen.


Nicht umsonst heisst dieser Strand bei Kapstadt 'Shelly Beach'.


2 comments:

John said...

Hoffe die Wellen waren gut, diese gibt es ja in SA sehr zahlreich. Hast du das Bild bei Nacht vom Flieger aus gemacht ? Sieht echt hammer aus !

Ulf Iskender Kaschl said...

Hej John, die Wellen waren super... can't wait to be back. Das Foto ist vom Tafelberg aus gemacht - danke für das Kompliment.

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