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29.6.09

Glücksmoment

In meinem vorigen Blogeintrag berichtete ich von der Wehmut des Abschieds, wenn Schüler das LGH als Abiturienten verlassen, und der Unmöglichkeit des Festhaltens an vergangenen Zeiten. Trotzdem befinden sich in meinem Besitz natürlich eine Unmenge Souvenirs, die mich an ehemalige Schüler und Begebenheiten erinnern. So ziert u.A. das Logo der legendären (leider nur fast erfolgreichen) Dynamo Düt Kickermannschaft meine Pinwand, ein Stoffleguan, der einst einen Schüler begleitete, wickelt seinen Greifschwanz um meine Schreibtischlampe, und auf meiner Afrika-Karte klebt ein Post-It Zettel mit einer geheimen Botschaft – alles kleine, fast unscheinbare Details, die mein Blick tagtäglich streift, und mich an den Menschen, der dahinter steckt, denken und meist erfreuen lässt.

Ein absolutes Highlight dieser vielen unschätzbaren persönlichen Erinnerung stellt jedoch seit letzter Woche eine .mp3 Datei dar, die ihr euch hier downloaden und genießen könnt. Es handelt sich dabei um die schon an anderer Stelle versprocheneLesung einer meiner jüngsten Kurzgeschichten durch eine ganz besondere Schülerin der Klasse 10. Dabei wird sie begleitet von einem diesjährigen Abiturienten, der zum Text auf dem Flügel improvisiert – und zwar höchst passend, wie ich finde.

Ich hatte das Glück, während der Aufzeichnung, die dankenswerter Weise durch unseren unvergleichlichen Hausmaestro Sebastian Hahn durchgeführt wurde, dabei zu sein: Diese gute Stunde, während der ich fast gänzlich überflüssig im Hintergrund blieb, gehört sicherlich zu den ganz besonderen Momenten meiner LGH Zeit: Zuzuschauen, mit wie viel Hingabe diese drei tollen Menschen sich ihrer Kunst widmeten – und mir dabei auch noch einen kleinen Traum erfüllten.

21.6.09

Sie watscheln ins Glück

Es ist dem meistzitierten Gedichtsvers am LGH zu entnehmen, dass man von traulich eingewohnten Lebensräumen Abschied nehmen und gesunden soll. Der Volksmund fordert dazu auf, Feste zu feiern, wie sie fallen, und eine andere Redensart weiß, dass es leider nicht immer die Schlechtesten sind, die gehen, dafür aber selten die Besten, die kommen. Alle drei Weisheiten kann man bemühen, um den Abiturball 2009 zu umreißen: der Abschied war herzlich, dabei auf seltsam angenehme Weise schmerzhaft, es wurde ordentlich gerockt – und das LGH entlässt eine großartige Generation ins 'echte Leben'.


Zum letzten Mal am LGH gab es Martin in Aktion:

AbituriEnten, und solche die es werden wollen, rocken zu seinen Anweisungen das Fest.


Schon vor einem Jahr hatte ich es auf dem Elterntag der damaligen Klasse 11 prophezeit: Der Abijahrgang 09 wird unter den ohnehin besonderen Jahrgängen des LGH noch heraus stechen. Um so mehr freut es mich, dass eingetreten ist, was damals, auch unter den lieben Kollegen, noch so manches Kopfschütteln hervor gerufen hatte. Die erstrebte Synthese aus Menschlichkeit und Leistungsfähigkeit, die bei den ersten beiden Jahrgängen in Teilen optimierungsfähig geblieben war, hat dieser Jahrgang eindrucksvoll vorgeführt – und als Krönung ihrer LGH-Zeit mit geistreichen Abistreich, würdevoller Abifeier, und herzlichem Abiball Maßstäbe gesetzt. Mit der rekordverdächtigen Vorlage eines Abiturgesamtdurchschnittes von 1,5 des letzten Jahrgangs konnte gleich gezogen werden, fünf Schülerinnen und Schüler erreichten die Traumnote 1,0 und die Jahrgangsbeste konnte gar etwas über 820 von den 840 theoretisch möglichen Punkten erreichen.

Dieses Ergebnis wird umso eindrucksvoller, wenn man darüber hinaus in Betracht zieht, dass der Jahrgang trotz dieser hohen Leistungsfähigkeit stets auf dem Boden blieb, sich auf vielfätigste Weise für das Leben und Lernen am LGH engagierte, und im Umgang mit Mitschülern, Lehrern und Schulleitung bei großem Selbstvertrauen meistens die Harmonie suchte und fand; dies ist aber in meinen Augen die größte Leistung.


Die letzten Anweisungen kommen von ganz oben:

Die AbiuriEnten scharen sich um das Muttertier, bevor sie das Nest verlassen.


Als exemplarisch für den good will, der mir für diesen Jahrgang bezeichnend scheint, mag die feierliche Überreichung kleinerer und größerer Geschenke an die Lehrer im Rahmen des Abiballes dienen – mit viel feinem Witz wurden Schwächen und Stärken von uns Pädagogen aufs Korn genommen, vor Rührung und Lachen über die lieben Kollegen und mich selbst standen, mir die Tränen in den Augen – übrigens nicht das einzige Mal an diesem Abend. Denn es galt eben, diese tollen Menschen aus unserer Anstalt zu entlassen, die Türe zum 'echten' Leben aufzustoßen und Lebewohl zu sagen. Schülerinnen und Schülern, die das LGH über die letzten Jahre extrem geprägt hatten, die mit ihren Eigenheiten und Anekdoten viel Farbe (und zwar trotz des ein oder anderen Malörs nur selten die der Zornesröte) auf den Campus brachten. Unvergesslich jeder Einzelne – schon bei der Aufsicht im schriftlichen Abitur war mir recht melancholisch bewusst geworden, dass ich zu jedem der vor mir sitzenden Schüler eine Geschichte erzählen könnte, und bei Einigen derer zehn. Einige davon sind bereits hier auf dem Blog erschienen, ein paar werden wohl in der nahen Zukunft zu Papier gebracht, und in meinem Resümee der LGH Zeit erscheinen. Doch natürlich bleibt die schmerzhafte Erkenntnis, dass die meisten stories und Erinnerungen sich langsam auflösen werden, und selbst das schriftliche Fixieren einige besonderer Momente nur ein schwacher Trost vor der Erkenntnis darstellt, dass man dann eben doch die meisten der so lieb gewonnenen Menschen für immer aus den Augen verlieren wird.


Zum Schluss wünsche ich allen AbituriEnten noch einmal viel Glück – dass Einzige, was nicht erlernt, erkauft oder erschlafen werden kann, und doch die Essenz des Lebens ausmacht.


Ich wage außerdem zu behaupten, dass der Geist, mit dem dieser Jahrgang unsere Schule besucht und verlassen hat, zu einem bedeutsamen Teil aus dem ganzheitlichen Schulkonzept gewachsen ist – und ich würde mir für das LGH wünschen, dass es sowohl Lehrern als auch Schülern gelingen möge, einiges davon in die nächsten Generationen zu retten.

Er zum Beispiel bekam von den AbituriEnten einen Korb:

Kollege B. E. freut sich über nicht gerade gesundes Essen.

14.6.09

Die homöopathische Dosis - Quecksilber und Quacksalber

Die Methoden der modernen Verbraucherindustrie lassen den aufmerksamen Betrachter ja durchaus das ein oder andere Mal laut "Scheiße" schreien. Ängste, Sehnsüchte und Manipulierbarkeit der krisengeschüttelten Bevölkerung werden zum Beispiel von den Paranoikern der Versicherungsgesellschaften, den Haien der Bezahlverlage, und den Scharlatanen der Wasserbeschwörer ausgenutzt, um Gewinn zu generieren und ihre eigenen Mäuler zu stopfen. Manche der dabei etablierten Meme sind hanebüchen - und nur schwer wieder aus dem kollektiven Bewustsein zu drängen. Droht der Zivilisation das Aus durch Verblendung und Verblödung? Die Analyse des Beipackzettels einer Homöopathischen Hautcreme spricht jedenfalls dafür.

Das Daumengrundgelenk meiner linken Hand schmerzt, seit ich damit letzte Woche einen Sturz, der durch einen mit moderater Geschindigkeit auf mein Jochbein servierten Baseball hervorgerufen wurde, ungeschickt abfing. Die Salbe, die mir daraufhin mein Arzt verschrieb, scheint bislang gut zu helfen. Es ist ein Heilmittel natürlichen Ursprungs zum Auftragen auf die Haut - alle Inhaltsstoffe sind pflanzlichen, tierischen oder mineralischen Urpsrungs, so der Hersteller. Klingt gut, rein und harmlos? Von wegen.

Jede Menge Pflanzen stecken drin, das kriegt man schon auf der Verpackung mitgeteilt, und was pflanzlich ist, kann ja gar nicht schlimm sein. Die Auflistung der Inhaltsstoffe liest sich dann aber wie ein Auszug aus der Enzyklopaedie der psychoaktiven Pflanzen. So darf neben dem harmlosen Gänseblümchen Bellis perennis natürlich die ubiquitäre Calendula nicht fehlen, und wo die sich versteckt, ist auch Arnica nicht weit. So weit, so langweilig. Doch dann dreht die Salbe auf. Vielleicht ein wenig Atropa belladonna gefällig? Das Gift der Tollkirsche hat ja schon im Mittelalter seine vielfältige Anwendbarkeit bewiesen, genauso wie eine der giftigsten Arten Mitteleuropas, der Eisenhut Aconitum, und diverse andere potente Giftpflanzen der Euphorbia Gattung. Ein wenig Rätselraten ist bei dem nächsten Inhaltsstoff gefragt: Mercurius solubilis? Der Botaniker kratzt sich am Kopf. Vielleicht eine Asteracea? Hmmmm.

Erst in einem etwas unscheinbar gehaltenen Teils des Beipackzettels wird man aufgeklärt. Bei Mercurius solubilis handelt es sich nicht um eine Pflanze, sondern schlicht und einfach um Quecksilber. Ach ja, rein mineralischen Ursprungs. Ich lach mich tot. Nun, es mag ja stimmen, dass die Dosis das Gift macht, und es würde mich nicht wundern, wenn das Quecksilber die einzig medizinisch wirksame Komponente in der Salbe darstellte. Und gewiß werde ich die Behandlung fortsetzen.

Doch ich würde schon gerne wissen, wieviele überzeugte Antroposophen sich dessen bewusst sind, dass sie sich mit einer schwermetallhaltigen Salbe eincremen, wenn sie darauf schwören, ihre Gebrechen nur mit homöopathischen Mitteln zu heilen. Und wie sich die Salbe verkaufen würde, wenn statt "Enthält nur natürliche Wirkstoffe" dezent "Quecksilberhaltig" auf der Verpackung prangte.

9.6.09

Abischerz 2009


Jede Generation hat ihre eigene Krankheit - und jeder Abiturjahrgang seine eigenen Vorstellungen, wie man sich zum Abschluß der Schullaufbahn auf ewig ins Gedächtnis der zurück bleibenden Schüler- und Lehrerschaft feiert. Der diesjährige LGH-Abiturjahrgang hat dabei Maßstäbe gesetzt: der Abistreich war gut organisiert, niemand kam ernsthaft zu Schaden, und alle, Lehrer wie Schüler, konnten herzhaft lachen.

Die AbituriEnten feiern. Die Chefin freut sich.

Ach ja. Das wird wohl immer passieren. Das arme Biotop...

Panzerkreuzer Kowalski schlägt sich mit I-Phone Lerche. Ein ungleicher Kampf.

So wollten wir sie schon immer mal sehen. AbituriEnten in Reizwäsche.

Ein Jahrgang verabschiedet sich.

Schön, wenn sich die gesamte Schule in den Armen liegen kann.


Und ich wurde dieses Mal nicht ins Biotop geschmissen... es ist am Ende doch nicht etwa die langsam einsetzende Oberstudienratswürde, die mich vor diesem Schicksal bewahrt hat?

2.6.09

Creative Holidays

Das Schöne am Lehrerjob sind die Ferien? Ganz recht, denn nach kurzer Erholungsphase meldet sich die Kreativität zurück. Das jüngste Produkt ist hier abrufbar, es handelt sich mal wieder um eine neue Kurzgeschichte...

Viel Spaß beim Lesen!
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