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19.12.08

Was heißt hier Elite

NEU und nur hier auf News from Nowhere:

Ein exklusiver Vorabdruck aus der Weihnachtsausgabe des "Farbfleck", Schülerzeitung am LGH.




Was heißt hier Elite?


Kommentar zur LGH-Nabelschau


Versteht sich das LGH als Eliteschule? Und wenn, darf sie das besondere Potenzial ihrer Schuler offen – manche finden auch „großmäulig“ – in ihrem Namen hinausposaunen? Und wie rechtfertigt sich der personelle und finanzielle Aufwand für die Erziehung und Bildung weniger, ohnehin von der Natur Privilegierter? Ist das nicht ungerecht, unsozial, undemokratisch, unsolidarisch? Diese Fragen haben uns seit der Planungsphase 2004 immer wieder umgetrieben in einer permanenten Leitbilddiskussion oder aus Anlass der exzellenten Ergebnisse der ersten beiden Abiturjahrgänge, der medialen Präsentation unserer Schule in Spiegel TV, Kerner, scienceblogs, Deutschlandfunk, etc. Sie haben uns mit dem Begriff „Elite“ und den damit verknüpften Erwartungen konfrontiert – den eigenen Erwartungen und denen der Außenstehenden.

Zum Begriff meint Wikipedia:

Unter „Elite“ (von electus, „ausgelesen“) versteht man soziologisch Gruppen oder Schichten überdurchschnittlich qualifizierter Personen (Funktionseliten, Leistungseliten) oder die herrschenden bzw. einflussreichen Kreise (Machteliten) einer Gesell­schaft. Konkret bezieht sich der Begriff meist auf näher definierte Personenkreise, wie z. B. die Bildungselite. Als Gegen­begriff wird häufig „Masse“ oder auch „Durchschnitt“ („Normalbürger“) verwendet.

Tatsächlich ist der Begriff „Elite“ zwiespältig besetzt: wer wollte bestreiten, dass Machteliten, Geldeliten, Standeseliten (Adel, Kasten) häufig alles andere als vorbildlich für das Gemeinwesen gehandelt haben und handeln. Wir können in unserem Land ein Lied davon singen. Und in diese Eliten wird man oft ohne eigenes Verdienst hineingeboren oder man wird Mitglied durch rücksichtlose Ellbogenmentalität. Aber selbst „Bildungselite“ klingt für manchen anrüchig.

Aber wir brauchen dringend die anderen: die Leistungsträger, die Wissenschaftler, die Künstler, die Ingenieure, die Kreativen, die Kritischen, die Querdenker, die Vorbilder, die Versöhner, die Brückenbauer. Wir brauchen diejenigen, die Gemeinnutz vor eigenen Vorteil setzen können, die Verantwortung übernehmen, neue Wege beschreiten, Normen setzen in einer sich verändernden Welt. Sie bringen uns voran, bauen eine lebenswerte Zukunft. Aber Nobelpreisträger gehören selten zu den Geldeliten. Hören wir Werner Heisenberg: „Wenn Könige bauen, dann bekommen die Kärrner zu tun“. Die Kärrner schieben den Karren, aber jemand muss die Richtung vorgeben: ohne Könige keine Schlösser. Heisenberg meinte damit z. B.: wenige Spitzenforscher beschreiten neue Wege, öffnen Fenster zu neuen Erkenntniswelten, tragen die Gesellschaft in neue Zeiten – und geben vielen anderen Arbeit und Brot. Wir brauchen diese Elite dringend!

Seltsamerweise wird auch diese Elite in unserem Land misstrauisch beäugt: Wer mehr kann, mehr leistet als ich, ist ein Streber, ist verdächtig, ist unsolidarisch. Vielleicht werde ich an ihm gemessen, vielleicht erwartet man von mir dann auch mehr, als die Freizeit vor der Spielkonsole oder am Biertisch totzuschlagen? Wer mehr leistet, macht Unterschiede deutlich, zeigt, dass es auch anders geht, bedroht meinen Besitzstand. Oder erregt schlicht Neid. Elite ist deshalb zum Reizwort geworden.

Seltsamerweise gibt es aber einen Bereich, in dem Leistung unbeschränkt bewundert und be­jubelt wird: den Sport. Ein Tennisspieler oder Fußballer darf Unsummen verdienen und wird dafür bewundert, während das vergleichsweise bescheidene Salär eines Abgeordneten Neid und Unmut auslöst.

Betrachten wir es sportlich: ein großes Fußballtalent spielt in einem Dorfverein, schießt die meisten Tore. Das erweckt Missgunst bei den Mannschaftskameraden. Er wird geschnitten. Die Vorlagen erreichen andere. Selbst dem Mannschaftsleiter ist die Ausgeglichenheit seiner Mannschaft wichtiger als die Förderung eines „Stars“ und rät ihm, sich zurückzunehmen. Das tut er auch. Seine Talente verkümmern in der Mittelmäßigkeit, und eines Tages hängt er die Fußballstiefel enttäuscht an die Wand.

Ein anderer wird von einem Ligaverein entdeckt, trifft dort andere Talente und misst sich an ihnen, erfährt Förderung durch qualifizierte Trainer, schindet sich gemeinsam mit den anderen in hartem Training, schafft den Sprung in die erste Mannschaft. Diese ist erfolgreich, weil in ihr ein gesunder und fairer Teamgeist herrscht bei allem Wettbewerb um die Stammplätze. Und schließlich schießt er das entscheidende Tor zur Meisterschaft.

Ob Heisenberg oder Fußball: in diesem Geist wurde das LGH ins Leben gerufen, aus dieser Überzeugung speist sich die Daseinsberechtigung einer besonderen Schule für Hochbegabte. Die Schüler sind „ausgelesen“, gehören zur Begabungselite, soweit auf den IQ Test Verlass ist. Sie treffen auf ein förderndes Umfeld, auf Lehrer, Anregungen, Angebote, die ihrer Entwick­lung ideale Möglichkeiten bieten, um Leistungs-, Charakter- und Verantwortungselite, aber auch angenehme Mitmenschen zu werden, statt im Mittelmaß stecken zu bleiben. So steht zu erwarten, dass die Kosten, die die Gesellschaft trägt, durch die Charaktere, denen die Chance auf volle Entfaltung und Reifung gewährt wird, vielfach zurückgezahlt werden. Auch ökonomisch eine gute Investition!

Aber Begabung ist kein Verdienst; sie ist ein Geschenk und kein Grund zu Überheblichkeit. Begabung allein reicht auch nicht aus, um zu den Besten zu gehören. Der Erfinder Thomas Edison sagt: Genius is one per cent inspiration and ninety-nine per cent perspiration. Mit diesem hohen Maß an Anstrengung und Fleiß, das ihnen abverlangt wird, rechtfertigen die Schüler das Privileg, am LGH lernen zu dürfen.

Wir sollten uns durch die gegenwärtige Nabelschau um den Begriff „Elite“ nicht lähmen lassen. Was kümmert es uns, ob man uns dieses Attribut zulegt oder nicht? Das Ziel war und muss immer sein: eine gute Schule gelingen zu lassen für eine besondere Gruppe von Menschen, die anhand ihres intellektuellen Entwicklungspotenzials ausgesucht wurden. Wir sollten die beste Schule zu verwirklichen suchen, die im Rahmen der Möglichkeiten denkbar ist ohne uns um Begriffe zu streiten. Dazu ist jeder aufgerufen beizutragen, der das LGH „seine“ Schule nennt.

Ich persönlich meine, wir sind nicht Elite, haben aber den Auftrag, Elite bilden zu helfen – Elite im besten Sinne. Dazu sollten wir uns unbefangen und ohne Überheblichkeit bekennen. Und nicht vergessen, dass der Wert eines Menschen sich noch nach anderen Kriterien richtet als nach seinen intellektuellen Fähigkeiten.

Vergessen wir nicht: die Meisterschaft wird nur errungen, wenn das Team, die Spieler, die Trainer, die Vereinsführung gemeinsam und kameradschaftlich zusammenarbeiten. Fuß­ball spielen macht Spaß wie auch Lernen und Lehren in einem kameradschaftlichen und ehr­geizigen Team, in dem sich jeder über den Erfolg auch des anderen freuen kann und ihm beisteht, wenn er Hilfe oder Ermutigung braucht.


Ich danke meinem lieben Vater übrigens recht herzlich für die Unterstützung bei der Erstellung dieses Artikels! Auf das Heisenberg Zitat wäre ich nie gekommen...

15 comments:

Sammy said...

Ein wahres Wort. Hoffen wir, dass die breite Öffentlichkeit irgendwann auch mal so denkt...

Lieschen said...

Genau. Aber bis dahin kann es noch eine Weile dauern...die meisten sind ja heute doch durch Vorurteile geprägt.

Schorsch said...
This comment has been removed by the author.
Schorsch said...

Damit die Öffentlichkeit einmal etwas positiver über die Eliten denkt, muss sich bei der Mehrheit in den Eliten noch einiges ändern! Wenn Menschen durch ihre Talente zur einer Elite vorstoßen, dann sollte ihnen bewusst sein und bleiben, dass Talente unverdiente Gaben sind, die deshalb etwas weniger für egoistische Ziele und mehr zum Nutzen aller eingesetzt werden sollten. Leider gibt es nur Wenige, die der mit ihren Talenten verbundenen Verantwortung gerecht werden.

Alle Menschen, die der Gesellschaft das geben, dass sie zu leisten fähig sind, müssten eigentlich gleich entlohnt werden. Ob eine Tätigkeit in monetären Einheiten mehr wert ist, hat nichts mit Leistung sondern vor allem etwas mit Glück zu tun! Wer nur dann sein möglichstes gibt, wenn er mehr bekommt wie andere, ist nur gierig. Wenn die hochbegabte Eliten dies einmal erkennen, dann ist das Paradies auf Erden nahe! Dann gibt es auch keine Vorurteile mehr.
Etwa vor 2000 Jahre sagte ein Hochbegabter Mensch namens Jesus "Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt". Diesen Satz haben Eliten über 2000 Jahre erfolgreich verdrängt. Mal sehen wie lange sie es noch schaffen, denn das notwendige Dauerwachstum, dass den Eliten ihre Einkünfte sichert, ist leider beschränkt, da diese Erde eine endliche Größe hat. Es gibt noch viel zu ändern! Verantwortungseliten sollten damit beginnen, darüber nachzudenken wie die Menschheit (die Schöpfung der Krönung) die Dinosaurier (große Reptilien mit extrem kleinem Hirn) in punkto Durchhaltevermögen schlagen kann. Oder sind die Dinos am Ende der Beweis, das Hochbegabung kein Vorteil, sondern nur ein Nachteil ist, wenn es ums nackte Überleben geht!

Schorsch said...

Damit die Öffentlichkeit einmal etwas positiver über die Eliten denkt, müssen die Eliten sich etwas ändern! Wenn Menschen durch ihre Talente in die Elite vorstossen, dann sollte ihnen bewusst sein, dass Talente unverdiente Gaben sind, die mit etwas weniger Egoismus zum Nutzen aller eingesetzt werden sollten. Leider gibt es nur sehr Wenige, die der mit ihren Talenten verbundenen Verantwortung gerecht werden. Wer durch Geld oder Beziehungen in die Elite vorgestossen ist, der sollte sich nichts üdarauf einbilden. In der Regel bilden sich aber gerade diese Teile der Elite ein, sie hätten ihren Aufstieg mit Hilfe von Leistung geschafft (Einbildungselite). Menschen wie etwa Einstein haben sich nicht als Elite gefüllte, sie waren Elite auf ihrem Gebiet (Wissenselite). Obwohl Einstein wesentlich mehr für die Menschheit getan hat wie Angehörige von Führungseliten (Napoleon, Hitler,...) oder der Wirtscahftselite (Ackermann, Bill Gates) hat er nie soviel Geld dafür eingesteckt oder gefordert. Dies zeigt das Leistung, Bezahlung und Verantwortungselite nichts miteinander zu tun haben.
Alle Menschen, die der Gesellschaft das geben, dass sie zu leisten fähig sind, erbringen die gleiche Leistung und müssten dem entsprechend gleich belohnt werden. Ob eine Tätigkeit in monetären Einheiten mehr wert ist hat nichts mit Leistung sondern nur mit Glück zu tun! Wer Leistung nur dann erbringt, wenn er mehr bekommt wie andere, ist ein Schmarotzer. Wenn hochbegabte Eliten dies einmal erkennen, dann ist das Paradies auf Erden nahe! Dann gibt es bald keine Vorurteile mehr.
Etwa vor 2000 Jahre sagte ein Hochbegabter Mensch namens Jesus "Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt". Diesen Satz haben Eliten über 2000 Jahre erfolgreich verdrängt. Mal sehen wie lange sie es noch schaffen, denn das Wachstum, dass den Eliten ihre Einkünfte sichert, ist leider beschränkt. Es gibt noch viel zu ändern! Verantwortungseliten sollten damit beginnen, darüber nachzudenken wie die Menschheit (die Schöpfung der Krönung) die Dinosaurier (große Reptilien mit extrem kleinem Hirn) in punkto Durchhaltevermögen schlagen kann. Oder sind die Dinos am Ende der Beweis, das Hochbegabung kein Vorteil, sondern nur ein Nachteil ist, wenn es ums Überleben geht!

Juliane Spingler said...

@ schorsch/anonymus:
die eltite, von der dein kommentar handelt, hat nichts mit der sogenannten elite der besonders begabten am LGH oder in anderen hochbegabtenzügen zu tun.
hier geht es nicht um geld, das man hat oder bekommt.
es geht weniger um gesellschaft, als um eine handvoll kinder und jugendliche, die manche sachen schneller verstehen als ihre umwelt, die in bereichen über ihre altersstufe hinaus entwickelt sind und im endeffekt, meiner beobachtung nach, ein bisschen mehr zuneigung und ein offenes ohr benötigen als durchschnittlich begabte kinder und jugendliche.
- deine beschreibung einer elite scheint mir hier am falschen platz.

Anonymous said...

@Schorch


das ist das Dümmste was ich seit langem gelesen habe.

Anja said...

"Nicht jedem das Gleiche, sondern jedem das Seine"

Zwischen Gleichheit und Gleichberechtigung/Gleichwertigkeit zu unterschieden stellt hohe kognitive Anforderungen.

Eva said...

Lieber Schorsch,

ich muss dir völlig zustimmen: Hochbegabte sollten ihre Talente nicht für egoistische Ziele einsetzen, sondern in den Dienst der Gesellschaft stellen - ebenso, wie der Rest dieser Gesellschaft die ihm verliehenen Gaben für die Allgemeinheit nutzen sollte, oder etwa nicht?...
Alle Menschen, die der Gesellschaft das geben, dass sie zu leisten fähig sind, werden gleich entlohnt: mit einem ruhigen Schlaf.
Nun denn, wie der von dir freimütig zitierte Hochbegabte bereits sagte: "Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein."

Wer die gezielte Förderung überdurchschnittlich begabter Kinder und Jugendlicher in ursächlichem Bezug mit der ungerechten Verteilung des Einkommens und den moralischen Misständen in unserer vielkritisierten Kapitalgesellschaft in Verbindung bringt (und im Namen der Gerechtigkeit offenbar die Einstellung dieser Förderung fordert), der hat das Prinzip der gemeinschaftlichen Verantwortung meines Erachtens falsch verstanden.

Recht herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit und viele Grüße,
Eva

Schorsch said...

Wer hat den klugen Spruch
"Nicht jedem das Gleiche, sondern jedem das Seine"
erdacht? Darf man seinen Namen wissen? Wer legt fest, wem was zusteht? Du, jeder selber, eine Minderheit, eine Mehrheit oder Gott?

Nein eine gewählte politische Elite legt in Deutschland fest, wem was zusteht. Diese Elite, (=Regierungen) sollte sich an das Grundgesetz halten. Ob der obige Grundsatz Teil dieses Grundgesetzes ist, wage ich zu bezweifeln.

Schorsch said...

Zensur ist gerade bei Eliten ein gerne genutztes Mittel zu argumentieren (siehe Ägypten, Mubarak). Daneben wird den Kritikern von Eliten stets Missgunst vorgeworfen. Das ist ziemlich einfach und zeugt nicht unbedingt von Hochbegabung.

Frau Schavan hat die Missgunst der Öffentlichkeit gegenüber dem LGH zu vertreten, sofern diese tatsächlich vorhanden ist.

Der Blog-Beitrag zur Elite enthält ja auch viele Wahres, besonders am Anfang. Aber der Autor des Blogs beweist in einigen Punkten, dass er mit Kritik an seinem Standpunkt nicht umgehen kann. Wenn eine berechtigte Kritik an einem misslungen Zitat des Vaters zum Streichen eines Kommentars führt, deutet dies relativ eindeutig auf Kritikunfähigkeit hin. Wenn es anders sein sollte, wie es aussieht, dann würde es mich freuen.

Wenn man Kommentare zensiert bzw. entfernen lässt, wie dies der Blog-Autor offenbar gerne tut, werden die Ursache und der Tenor von Kommentaren natürlich verfälscht! Wäre ein begründeter Einwand gegen Kritik oder bestimmte Argumente nicht manchmal zielführender? Oder ist der Wettstreit der Worte das Ziel und nicht die Sache! Die Zensur war im vorliegenden Fall sicher durch nichts gerechtfertigt! Oder sollte ich mich da irren?

Schorsch said...

@Anja
Liebe Anja,
sollte ich irgendwo behauptet haben, dass alle Menschen gleich sind, dann nur in dem Sinne, dass alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind (Artikel 3, GG). Das bedeutet, dass alle Menschen gleiche Recht und gleiche Pflichten haben sollten. Ich hoffe in diesem Punkt sind wir uns einig. Die Wehrpflicht, die nur für Männer gilt, ist ein im Grundgesetz festgelegter Verstoß gegen den Artikel 3 des Grundgesetzes (GG). Das zeigt, dass sich Politiker nicht immer an die Grundsätze des GG halten. Selbst die Verfassungsväter waren fehlbar. Wir brauchen also nicht nur intelligentere Eliten, sondern vor allem klügere, konsequentere oder ehrlichere Eliten. Eigentlich müsste gemäß unserer Rechtsprechung der Artikel 3, Absatz 1 des GG wie folgt formuliert sein: “Alle deutschen Staatsbürger gleichen kulturellen und religiösen Hintergrunds sind vor dem deutschen Gesetz gleich.”

Selbst wenn man sich bemüht eindeutig zu formulieren geht dies manchmal schief. Wenn man es gar nicht versucht, geht es sicher schief. Hochbegabung erspart das Nachdenken nicht, zumindest nicht immer!

Der Spruch “Jedem das Seine” scheint mir aus einem Musketier-Film zu stammen, wo er immer dann ausgerufen wird, wenn der finale (Todes-)Stoß mit dem Degen erfolgt. Aber bei Deinem Spruch ist es noch schwerer wie bei dem Spruch “Wenn Könige Schlösser bauen, dann haben Kärrner zu tun” deines ehemaligen Lehrers, nachträglich etwas hinein zu interpretieren.

Es sollte wohl eher wie folgt lauten: “Nicht jedem das Selbe, sondern jedem das Gleiche”. So wäre nach meiner Meinung die Willkür aus diesem Satz weitgehend entfernt.
Jedem die selbe Förderung zu geben wäre zugegeben dumm, denn ein Mathematik-Genie braucht keine Mathematik-Nachhilfe. Aber vielleicht hat er Defizite im Bereich der sozialen Kompetenz! Da wäre es doch sinnvoll das nicht unbegrenzt vorhandene Geld für die Bildung&Erziehung in einen Psychologen und nicht in einen Mathematik-Nachhilfelehrer zu stecken. Ich hoffe wird sind uns auch in diesem Punkt einig.

Und welcher Maßstab wäre für einen fairen Ausgleich besser geeignet als der monetäre Maßstab? Keiner? Das heißt, es muss korrekt heißen “Nicht jedem seinen Geldbetrag, sondern allen den gleichen Geldbetrag für die Förderung seiner Talente oder Defizite”.

Ich hoffe jetzt sind alle Missverständnisse ausgeräumt, liebe Anja. Richte doch bitte Anonymous aus, dass die größere Dummheit manchmal hinter dem Auge des Betrachters zu finden ist. Jesus sagte: “Was siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, doch den Balken in deinem Auge nimmst du nicht wahr?” In diesem Sinne, wünsche ich dir für die Zukunft mehr Zeit zum Nachdenken und viele gute Gedanken!

Schorsch said...

@EVA
Liebe Eva,
es freut mich, dass du mir weitgehend zustimmst.
Aber ich kann mich nicht erinnern, dass ich von einem Hochbegabten einen Jesus-Zitat übernommen haben sollte!

Ich fordere nicht die Einstellung der Förderung von Kindern, sondern ich fordere gleiche Förderung für alle Kinder. Dass ihr LGH-ler mehr gefördert werdet als weniger oder anders begabte Schüler, werdet ihr doch sicher nicht abstreiten.

Ich habe auch nichts gegen das LGH an sich, sondern etwas gegen das, was manche konservative und liberale Politiker damit verfolgen. Eure Schulleiterin scheint mir deutlich andere Vorstellungen von der Aufgabe des LGH gehabt zu haben oder zu haben wie Frau Schavan. Aber Schavan hat sich offenbar in wesentlichen Punkt durchgesetzt. Wenn ein ehemaliger Lehrer das meiner Meinung nach dumme, aber zumindest nichtssagende Heisenberg-Zitat, das sein lieber Herr Vater zur Elite-Debatte beisteuerte, verteidigt, dann muss man eben auch die Schattenseiten von Eliten deutlich machen. Dies ist nicht zu vermeiden. Eliten sind nicht schlechter wie der Rest. Aber weil sie i.d. R. mehr Macht haben, sind sie gefährlicher. Deswegen brauchen sie ein größeres Verantwortungsbewusstsein als der Rest.
Verantwortungsbewusstsein ist derzeit leider noch nicht die Stärke von Eliten. Könige und Kaiser sind neben Diktatoren das schlechteste Beispiel für Verantwortungseliten!

Apropo Verantwortung für das Gemeinwesen: Ich hoffe wir sehen uns dieses Jahr bei der Putzete in der Oststadt. Sie findet am 2.4.2011 statt. Vielleicht wäre es möglich dieses Jahr euer freies Wochenende auf den 25-27.3. vor zu verlegen, dann könnten die volljährigen Schüler aus Baden-Württemberg ihrer Wahlpflicht persönlich in ihrem Wahlkreis nachkommen und alle LGH-Schüler könnten am offiziellen Termin einen Beitrag zur Stadt- und Landschaftsputzete in Gmünd beisteuern. Anschließend gibt es ein Vesper im Stadtteilzentrum Ost. Falls das nicht geht, bin ich gerne bereit bei einem alternativen Termin des LGH dabei zu sein und das Vesper für die Freiwilligen des LGH zu organisieren. Wie wärs. Einmal ganz anders. Nicht gegeneinander, sondern miteinander für alle!

Recht herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit und viele Grüße,
Schorsch

Schorsch said...

@Juliane Spingler
Ich muss zugeben, dass meine Beiträge auf dieser Seite vor allem durch das Heisenberg-Zitat des Blog-Autors ausgelöst wurden. Aber auch der Grundtenor der Kommentare der LGH-Schüler und mancher Lehrer machen mir etwas Sorge. Selbst der relativ konstruktive Beitrag von Ihnen, Juliane Spingler, zeigt eine gewisse Empfindlichkeit in Bezug auf das Wort “Elite”, dabei hätte ich persönlich das Wort “Elite” im Zusammenhang mit Hochbegabung nie eingeführt, denn es ist vorbelastet. Ich könnte mir vorstellen, dass das Wort “Elite” auch nicht auf die Leiterin des LGH Annette von Manteuffel zurückgeht, sondern auf die LGH-Initiatorin Annette Schavan, die sich mit ihrem Einsatz für “Elite”-Förderung ein politisches Denkmal setzen will. Auch der Blog-Autor und Mitautor des Leitbilds des LGH Ulf Kaschl will am LGH Eliten heranziehen, weil ohne diese Eliten offenbar nichts geht.

Ich würde mich freuen, wenn es im LGH darum ginge ein paar jungen Menschen mit Hochbegabung die optimalen Voraussetzung zum Lernen zu bieten. Es würde mich noch mehr freuen, wenn jeder junge Mensch ein optimales Umfeld zum Lernen hätte und eine ausreichende Zahl von Pädagogen zur Verfügung stünden, um die für eine optimale Erziehung notwendige Liebe und Zuwendung zu garantieren. Wie Thilo Sarrazin in seinem Buch richtig festgestellt hat, gibt es eine wachsende Gruppe von Mitbürgern mit türkischem Migrationshintergrund, die besonderer Zuwendung bedürfen, weil die sprachlichen Voraussetzungen im Elternhaus bereits fehlen. In der Gmünder Innenstadt und der Oststadt ist diese Gruppe relativ groß. Es gibt also auch anderswo Handlungsbedarf. Wäre es da nicht sinnvoll mit den Ressourcen weniger verschwenderisch umzugehen. Wären normale Schulen mit einem auf die unterschiedlichen Schülergruppen angepassten Lehrangebot nicht sinnvoller. Warum hat Frau Schavan die Oberstufenreform zu Tode reformiert. Warum muss für eine kleine Gruppe ein völlig anderes Süppchen gekocht werden, wie für den Rest? Reicht da nicht eine andere Dosierung der Gewürze? Oder steht am LGH die Forschung am Schüler im Vordergrund. Werden hier die künftigen Lernformen für alle Schulen entwickelt. Wird hier eventuell die Gesamtschule, die bisher für BW ein “rotes Tuch” war, neu erfunden und mit einem neuen Namen versehen, damit sie ohne Gesichtsverlust in BW eingeführt werden kann? Wenn dem so ist, dann sollte es gesagt werden.

Warum sind LGH-Schüler und Lehrer so empfindlich gegenüber der kleinsten Kritik an ihrer Schule und an “Eliten”? Ich habe bisher noch von keiner konkreten öffentliche Kritik am LGH gelesen. Berechtigte Kritik an agierenden Eliten gibt es natürlich genug. Es scheint die Hochbegabten des LGH fühlen sich bereits als Elite! Jeder ist einzigartig! Ist das gut für die Kinder, die besonders viel Liebe brauchen? Meine Kritik an “Eliten” bezieht sich hauptsächlich auf gegenwärtige und frühere Führungseliten. Wäre schön, wenn sie bei künftigen "Eliten" nicht zutreffen würde. Dazu müßte nach meiner Meinung aber wesentlich mehr kritisches Bewusstsein vorhanden sein. Verantwortungsbewusstsein ohne kritisches Denken scheint mir unmöglich!

Wer glaubt, dass in dem obigen Heisenberg-Zitat mit den Königen und den Kärrnern viel Weisheit steckt, sieht das alles vielleicht ganz anders. Mir stellt sich die Frage,ob ein nichtssagendes Zitat etwas über den aussagt, der darauf zurückgreift. Wozu gehören die Wissenschaftler und die Manager, zu den Königen oder zu den Kärrnern? Und wozu gehören die Politiker und wozu die Volkmasse, der Souverän, zu den Kärrnern oder zu den Königen? Wer fährt den Karren in den Dreck und wer zieht ihn anschließend wieder heraus? Das Zitat wirft viele Fragen auf, gibt aber keine einzige Antwort.

Schorsch said...

Ich muss gestehen, dass der Beitrag des Blog-Autors viel Kluges sehr gut formuliert enthält. Er ist ohne Zweifel ein wesentl. besserer Schreiber als ich, nicht umsonst ist er Buchautor u. nicht Ingenieur. Sein Beitrag erweckt den Eindruck, dass das LGH von außen eher kritisch betrachtet wird. Zumindest unterstellt er, dass die Beteiligten in der Planungsphase des LGH dieselben kritischen Einwände, die auch ich habe, selbst aufwarfen und schließlich als unberechtigt verwarfen. Einwände, die ein anonymer Hochbegabter als das Dümmste abtut, das er je hörte.
Das Endergebnis dieser Überlegungen ist sicher maßgeblich der Politik und insbesondere der konservativen LGH-Initiatorin Schavan geschuldet. Kaschl & Schavan scheinen die selbe Wellenlänge zu haben. Von Frau von Manteuffel habe ich einen etwas besseren Eindruck gewonnen.
Es ist auf jeden Fall gut zu wissen, dass sich manche des LGH-Teams ernsthaft die Frage gestellt haben, ob das mittlerweile umgesetzte Konzept des LGH ungerecht, unsozial, undemokratisch und unsolidarisch ist.
Undemokratisch ist es sicher, denn der Souverän wurde, wie in Baden-Württemberg üblich, nicht berücksichtigt. Aber das ändert sich ja vielleicht am 27.3.2011.

Es ist sicher rhetorisch sehr klug am Beginn eines Textes die mögliche Kritik an seiner Grundthese selbst vorweg zu nehmen, um diese mit einer Behauptung (“Wir brauchen diese Leistungsträger”) abschließend zu beantworten. Auch der Neidvorwurf ist geschickt untergebracht.
Es ist unbestritten, dass jedes Land derzeit noch Leistungsträger braucht. Aber Deutschland hatte diese Leistungsträger schon immer, auch ohne LGH. Was wir sicher nicht brauchen sind Prinzen und Könige. Adel war gestern, das Volk wird morgen herrschen.

Für Hochbegabte ist es sicher schön auf ein LGH gehen zu dürfen. Es gibt aber wesentlich mehr Normalbegabte, die mit hoher Motivation Leistungsträger in unserer Gesellschaft werden wollen. Warum sollten die weniger gefördert werden. Hochbegabung ist nicht immer und überall ein Vorteil. Mit Sicherheit sähe die Zukunft der Menschheit nicht wesentlich besser aus, wenn nur Hochbegabte an den Hebeln der Macht sitzen würden. Es bestünde sogar die Gefahr, dass unser Planet wesentlich schneller an die Grenzen des menschlichen Wachstums stößt (vgl. Spitzensport).

Um den Wissenschaftsstandort Deutschland voran zu bringen, gibt es sicher viele Möglichkeiten. Der Förderung von Hochbegabten, die keine besonderen Probleme oder Handicaps haben, kommt dabei sicher nicht die höchste Priorität zu. Das heißt nicht, dass ich den LGH-Schülern ihr Glück missgönne. Ich gönne auch jedem Lottogewinner seine Millionen.
Das derzeitige LGH-Konzept hätte nur dann eine gewisse Berechtigung, wenn dort nur die Hochbegabten, deren Eltern sich keine private Eliteschule leisten können, aufgenommen würden. Dies scheint nicht ganz der Fall zu sein! Aber ich lasse mich gerne eines besseren belehren, am besten mit Zahlen zur Zusammensetzung der Schülerschaft.
Wieviel vergleichbare Schulen gibt es in Deutschland für das eine Prozent hochbegabter Schüler, d.h. für die restlichen 89 800? Gerecht geht anders, selbst bei der Hochbegabtenförderung, oder? Die Wehrpflicht wird gerade von einem CSU-Mann mit Strahlkraft wegen der Wehrungerechtigkeit stillgelegt! Ich find das gut, ich war einer der wenigen wehrpflichtigen Staatsbürgern in Uniform!

Ich hoffe in Zukunft auf etwas differenziertere Reaktionen auf meine Beiträge. Ich denke das jeder, der sich mit einer Sache ernsthaft auseinandersetzt,dies verdient.

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