Home: Die Werkstatt Südafrikablog: Kom die Kaap na!

24.6.10

What goes around...

Noch ist meine Lesereise durch Deutschland nicht zu Ende, doch die beim über-den Fahrersitz-aus -dem-Mini-Wuchten nicht zu überfühlende, progressive Leichtigkeit des Samsonite-Trolleys zwingt mich zu einer kurzen Zwischenbilanz.

 Die Recherche ergibt: leider handelt es sich bei dem empfundenen Gewichtsverlust nicht um das Resultat eines plötzlichen Oberarmmuskel-zuwachses oder um in Massen verkaufte Bücher - nein, der Umstand ist der Tatsache zu verdanken, daß ich zur Zeit persönliche Besitztümer recht großzügig in Deutschland verteile. 

Ließ ich ganz zu Anfang eine graue Quicksilver Hose in München zurück, wurde mir nach kurzzeitiger Abwesenheit mein Kulturbeutel in Lüneburg freundlicherweise nachgetragen. In Münster nahm dafür dann eine Tube Sebamed Duschöl Abschied, und in Hamburg gar der Rest meiner Körperpflegemittel. Auf einem Rastplatz irgendwo an der A 7 harren ein paar verwaiste Flipflops sehnsüchtig wie ausgesetzte Hunde meiner Rückkehr. Wann kommt endlich der elektonische Warnmeldechip für alle Habseligkeiten? 
Andererseits kommt auch was rein: Fleißig sammle ich Kilometer auf dem Tacho und Strafzettel in meinem Portemonnaie: geblitzt bei der Autobahnabfahrt in Karlsruhe, dann in einer 30er Zone in Berlin, und aus Trier kommt ein Bußgeldbescheid für falsches Parken. Spesen fressen Gewinne auf.

Wenigstens krieg ich meine Hose zurück. Denn Montag abend bin ich wieder in der bayrischen Landehauptstadt, zum vorläufigen Abschluß der Tour lese ich in der Favorit Bar im Zentrum Münchens. Im Anschluß gibts noch fette Sounds und es wird gerockt bis zum leicht verschmerzbaren Verlust des ein oder anderen Schweißtropfens.

23.6.10

Fakten Fakten Fakten: Kurzkommentar zur WM Berichterstattung

Deutschland im Juni 2010: Phillip Lahms Unterschenkel rettet den 1:0 Sieg über Ghana und stürzt Deutschland in einen kollektiven Freudentaumel. Auf der Hamburger Schanze kostet ein 'Katze Spezial', gemixt aus Gin und Tonic mit Aperol, bescheidene 6,50 €. Und auf der A5 steht man bei Göttingen an einem Mittwochnachmittag eine Halbzeit lang im Stau.

Auf meiner Lesereise durch Deutschland habe ich viel Zeit für Radio und TV, und mit Entzückung kann man derzeit eine erfreuliche Vielfalt in der Berichterstattung über Afrika vermerken. WM, WM machts möglich, alle Augen und Ohren öffnen sich für Land und Leute des Fußballspektakel-Gastgebers. Die reizende Franziska von Almsick streichelt Geparden und schwarze Kinderchen. Béla Rethy versucht sich im Ausbau seines Fremdprachwortschatzes (Wezuwela? Voodoozela? Vuluwela? Halt dich Waka!) und Herr Reinhold Beckmann fachsimpelt mit Kennermiene über die im Abwassergraben des deutschen Mannschaftshotels ansässigen gefährlichen Knochenbrecher-Leguane. So viel Farbe war selten in der deutschen Medienberichterstattung, so viel Aufgeschlossenheit, so viel Vielfalt - Hallo Welt, hier we are.

Dabei erfreut Ohr und Herz vor allem die Qualität der Recherche - schonunglsos werden die Dinge mit deutscher Gründlichkeit beim Namen benannt. Zwar besteht ein Unterschied zwischen karibischem Voodoo Hexenzauber und südafrikanischer Muti Heilkunst. Zwar findet man auf der afrikanischen Landmasse keinen einzigen heimischen Kaktus, sondern Euphorbien, und auch die bereits erwähnten Leguane müssen schon aus der Amerikaabteilung des benachbarten Zoos ausgebrochen sein, es sei denn, es handelt sich bei den Biestern um die orstansässigen afrikanischen Warane. Auch ist ein Braai kein Barbecue, aber da wir schon munter die Kontinente gleich machen, fällt das eigentlich nicht mehr ins Gewicht. Ist hier der ein oder andere Berichterstatter vielleicht schon in der Vorbereitung auf Brasilien 2014? Aber, gemach, das Fernsehen bediente sich ja schon immer des pädagogischen Prinzips der Vereinfachung, und Neues wird erwiesenermaßen besonders gut im Vergeich mit Bekanntem neuronal verdrahtet.

Trotzdem. Ein Wal ist kein Fisch, und eine Vuvuzela kein Alphorn. Fakt ist Fakt. Und das menschliche Gehirn durchaus mit Vielfalt belastbar.

20.6.10

Wine and Dine: Insider Tip im Kapland

Ein Besuch der Winelands in der Kapregion ist zweifelsohne ein must für Kapstadt Reisende. Doch wie an vielen touristischen Hotspots dieser Welt ist es inzwischen auch hier schwierig geworden, echte Klasse zu finden und schlechte, aber gut beworbene Angebote zu vermeiden. Allzuoft wird eine Tour auf ein Weingut durch den Eindruck getrübt, als Bezahlvieh durch die künstlich romantisierte Anlagen getrieben zu werden.

Das sieht nicht nur lecker aus, das schmeckt auch so:
Tagessuppe, Brotzeit und ein guter Tropfen.

Doch zwischen den beliebteten tourist traps der Cape Winelands wie Spiers oder leider inzwischen auch Groot Constantia gibt immer noch viele unentdeckte Juwelen. Einer dieser Orte hat es mir besonders angetan: die Muratie Estate. Daran ist einerseits die Qualität des Weines schuld, der hier angebaut und gekeltert wird. Andererseits hat Muratie viel Kapgeschichte zu bieten - und der kann man mit jedem Schluck unte r den schattenspendenden Bäumen des Gutsgartens mit Blick auf den Tafelberg nachfühlen.

Traumhafte Aussichten:
Blick über die Weinfelder und Cape Flats hinüber zum Tafelberg.

Keine 45 Minuten fährt man von Downtown Kapstadt nach Muratie, das, auf halbem Weg zwischen Stellenbosch und Paarl gelegen, sich an den Fuß der Simonsberge schmiegt. Der Gründer Lourens Campher allerdings, ein deutscher Soldat, der im Dienste der Dutch East India Company ans Kap gekommen war, und sich dort als Farmer selbstständig gemacht hatte, musste gegen Ende des 17. Jahrhunderts jedes Mal drei Tage laufen, um seine schwarze Geliebte Ansela van de Caap in die Arme zu schließen. Diese saß als unfreie Tochter einer ursprünglich aus Guinea stammenden Sklavin in der jungen Kapstadt fest. Erst nach ihrer Taufe (und der geburt drei unehelicher Kinder) durfte Lourens sie zu sich nach Muratie holen, wo sie als eine der ersten gemischtrassigen Ehepaare der Kolonie bis an ihr Lebenswende glücklich waren. Heute erinnert ein preisgekrönter Wein namens 'Ansela' des später in den Besitz der traditionsreichen Welck Familie übergegangenen Weinguts an diese Geschichte.

Schmeckt jung und alt.
Wine Tasting im stimmungsvollen Ambiente der Muratie Farm.

Doch auch die anderen Weine der Farm können sich sehen, riechen und schmecken lassen. Genießt man diese noch mit dem unbedingt zu empfehlenden Tagessuppen oder der 'cold platter', auf der sich Käse, Schinken, Pastete und Salat türmen, lauscht dabei dem Plätschern des alten Brunnens und läßt den Blick über die weite Ebene nach Kapstadt hin schweifen, erscheinen volle Touristenbusse, nervige Abfertigung und Kommerz ohne Herz ihrerseits wie Geschichten aus einer anderen Welt.

Hier steht die Zeit und Spinnweben lassen sich darauf nieder:
Blick in den Weinkeller auf der Muratie Estate.

Die Anmeldung zu einer Weinprobe ist hier übrigens unbedingt erforderlich - ein kleiner Preis für hervorragendes Ambiente und exklusive kulinarische Genüsse.

Let the facts speak for themselves:
Muratie Erzeugnisse warten auf ihren Einsatz.

Weine von Muratie sind übrigens auch in Deutschland erhältlich.

17.6.10

Feel the mix: Musik aus Südafrika

Auch wenn Vuvuzelas bei Weitem nicht so eintönig tröten, wie es am Fernseher den Anschein hat, und Kreative aus ihnen so einiges mehr herausholen als ein unisones ÖÖÖÖÖÖÖ, läuft die breite musikalische Vielfalt Südafrikas doch Gefahr, in der anhaltenden Verbotsdiskussion überhört zu werden. News from Nowhere stellt vier Combos aus Mzansi vor, die exemplarisch für die musikalische Diversität des jungen Landes stehen, und es verdiet hätten, auch international wahrgenommen zu werden.

Musik und Fußball stellen in der Geschichte Südafrikas einige der wenigen Berührungspunkte zwischen Schwarz und Weiß dar. Gab es ab den Achtzigern weiße Fußballer, die trotz heftiger Repressalien des Regimes in schwarzen Teams mitspielten, so hatte sich zu diesem Zeitpunkt der legendäre Johnny Clegg mit seiner Juluka- (später Savuka-) Band schon längst in die Herzen der Weltöffentlichkeit gesungen. Das Vermischen der Sprachen sowie afrikanischer Rythmen und Instrumente mit westlichem Pop, Jazz und keltischen Einflüßen war damals schlichtweg ein Tabubruch, und ist heute für einen ganze Generation an Post-Apartheidsmusikern ultimatives Vorbild. Clegg scheute trotz der politischen Lage nie davor zurück, explizite politische Botschaften in seinen Sogngs zu transportieren, wie z. B. in seinem größten Hit 'Asimbonanga' ('Wir haben ihn schon lange nicht gesehen'), in welchem neben dem damals noch auf Robben Island inhaftierten Mandela auch andere Wiederstandkämpfer Südafrikas geehrt werden (z.B. Steve Biko und Victoria Mxenge). Auch wenn Clegg inzwischen die Energie früherer Tage vermissen läßt, ist er doch der 'große Mann' der Musikszene Südafrikas. Hier ein Live-Mitnschnitt von '99



Eine Band, die diese interkulturellen Tradition fortführt und weiter ausbaut, und dabei mit ihrer erfrischenden Version des Afro-Pop auch weltweite Hits landen kann, ist Freshly Ground, deren Musiker sich aus den unterschiedlichsten Ethnien Südafrikas zusammensetzen. Ihr Sound ist entschieden fröhlich, selbst wenn politische Botschaften ('Big Man', 'Chicken Cheater') transportiert werden. Größter Hit bislang war 'I'd like', der auch in Europa oft in Radios zu hören war. Bei der WM Eröffnugnsfeier waren sie mit Shakira zusammen auf der Büne zu sehen, um den gemeinsamen WM Song 'Waka Waka' ('Leuchte, Leuchte') zu präsentieren, und sind zur Zeit in Deutschland auf Tour. Hier ein Porträt der Band:



Ganz anders, und doch im interkulturellen Mix sehr ähnlich präsentieren sich die Rudimentals mit ihrem Old Skool Ska vom Feinsten. Auch hier mischen sich die Ethnien und Religionen um ein schillerndes Gesamtprojekt hervorzubringen... der Bassist ist Rastafari, der Gitarist Engländer, der Schlagzeuger Bure, der Sänger kommt aus Zimbabwe... und gefunden haben sich alle im berühmt-berüchtigten Stadtteil Woodstock in Kapstadt. Sie machen nicht nur fetten Sound, zu dem man gar nicht still stehen bleiben kann, sondern sind trotz relativem Bekantheitsgrad total auf dem Boden geblieben und grüßen freundlich, wenn man an sie zufällig auf der Straße trifft. Hier ein live-Mitschnitt:



Nicht sehr gemischt, aber trotzdem lebensfreudigen Südafrika-Sound bieten TKZee als Vertreter des Kwaito. Oft nur unzureichend als südafrikanische Variante des HipHop bezeichnet, ist dieser Stil durch verlangsamten 'four to the floor' (bass drum auf jeden Schlag eines 4/4 Taktes) House Beat und repetitive Vokalphrasen, welche die Tanzbarkeit stark unterstützen, gekennzeichnet. Ihre Musik ist der passende Soundtrack zu wilden Fahrten in Sammeltaxis oder rauschenden Parties in einem shebeen. Obwohl lange nichts Neues von der Band zu hören war, ist 2009 ein neues Album erschienen, und die Jungs waren auch bei der WM Eröffnungsfeier live dabei. Und wenn ihr Sound mal in Europas Clubs einschlägt, könnte es noch ein ganz großes Ding werden...

14.6.10

Pro Vuvuzela: Acht Argumente

Der Kampf um die Tröte gewinnt an Schärfe, in Deutschland angeführt von den Fernsehanstalten des öffentlichen Rechts sowie den Massenmedienblättern Bild und Spiegel. News from Nowhere fasst die häufigsten Argumente der Vuvu-Hasser zusammen und liefert schlagfertige Antworten.

1) Top-Äußerung in diesem Zusamenhang: Die Vuvuzelas nerven!

Dies ist eine emotionale Äußerung eines Individuums ohne argumentativen Wert. Auf dem Niveau und damit der Ernsthaftigkeit von Äußerungen wie: Holländer nerven auf der Autobahn, McDonald's Werbebotschaften im Radio, oder Autokorsos in der Innestadt. Verständlich, ja, aber höchstens als 'Ich-Botschaft' ('Mich nerven...') ernst zu nehmen, und damit in einer Diskussion leicht zu entkräften. Dich nervts? Mir gefällts.

Noch ist alles still - Blick auf das Green Point Stadium in Kapstadt
aus dem 18. Stock des Westin Grand Hotels.


2) Die traditionsreichen Sprechgesänge und Chöre sind nicht zu hören!

In der Tat bedauerlich. Im Stadion herrscht nun mal seit eh und je das Recht des Lautstärkeren. Eine Quotenregelung für bedrohtes Liedgut ist leider abwegig. Und der Sound der paar hundert bis tausend ausländischen Fans, die tatsächlich zu den Spielen angereist sind (enttäuschend wenige übrigens - ob sie sich von der anhaltenden Negativpropaganda z. B. des Speigelschreibers Herrn Günsche haben abschrecken lassen?) dürfte auch recht dürr ausfallen. Wie man sich jedoch bei den Fernsehübertragungen überzeugen kann, werden die Vuvuzelas sehr schnell in das Repertoire der Besucher mit eingebaut. Richtiges Konzept: If you can't beat them, join them...

3) Das Gesummse ist immer gleichbleibend fad, man hört keine Ahhhhs und Ohhhs.

Tatsächlich? Bin ich der Einzige dem es so anders geht? Ich höre tatsächlich An- und Abschwellen des Vuvuzela-Schwarms je nach Spielsituation, nicht ganz so unmittelbar wie bei oraler Lautäußerung, aber durchaus vernehmbar, selbst bei der kastrierten Übertragung im Fernsehen. Die Kommentatoren verstehe ich auch gut, beim Deutschland : Australien Spiel hörte man außerdem sehr wohl die Zuschauer raunen. Tatsächlich dürfte die Lärmbelastung nur bei Spielen Bafana Bafanas und anderen afrikanischen Begegnungen so hoch sein wie bei der Eröffnung. Ich denke, dass es zu einem Teil auch einer Gewöhnung des Zuschauerohrs an den neuen Hintergrundsound bei einem Fußballspiel bedarf. Nach zwei , drei Mintuen blende ich den Schwarm zu großen Teilen einfach aus.

4) Die Vuvuzelas sind gar keine südafrikanische Fubalkultur, es gibt sie erst seit den Neunzigern!

Ach, interessant. Wir definieren also Kultur nach der Verweildauer im jeweiligen Kulturkreis? Bin gespannt, wie die Verfechter dieses Arguments sich in der bundesdeutschen Fußballkultur der frühen Neunziger fühlen dürften. Ohne Autokorsos oder Public Viewing, dafür mit Stehtribünen aus Holz, römischen Lichtern auf den Rängen, und Rudi Völlers Frisur. Spaß beiseite, natürlich ist Kultur nichts Statisches sondern findet immer im 'Jetzt' statt. Eine zwanzigjährige Vuvuzela -Tradition ist übrigens älter als die demokratische Kultur des Landes. Und die wollte man ja nun auch nicht unbedingt abschaffen, oder.

Das stellt sich so mancher unter echter afrikansicher Kultur vor.
Verkleideter Musiker an der Waterfront in Kapstadt.



5) Messi und Ronaldo sind auch angepisst! Die Spieler sind bei dem Lärm orientierungslos!!!

Ja, alle Spieler. Der Gewöhnungsefekt den Bafana Bafana vorweisen kann ,ist ein Heimvorteil, so wie er zu jedem Fußballspiel dazu gehört. So ist nun mal eine WM, so ist nun mal der Fußball. Wer sich als Weltfußballer und Megasuperstar geriert, muss eben zeigen, dass er auch unter extremen Bedingungen seinen Mann stehen kann. Wie gesagt, am ehesten wird bei Südafrikaspielen die Lärmpegelschmerzgrenze ereicht werden. Die Deutschen hat es offenbar nicht gestört. Von denen hört man auch kein Murren. Auch die Granden Kahn, Beckenbauer, Zwanziger: sie alles stören sich offenbar weit weniger an den Vuvzelas als die Reporter, die sie befragen.

6) Aber will sich Südafrika wirklich so präsentieren?

Und ob es das will! Die Vuvuzela vereint alle Ethnien und Hautfarben Südafrikas, egal ob Bure oder Xhosa, Zulu oder Cape Malay - sie alle lieben diese Tröte! Endlich einmal ein kultureller Konsens, endlich einmal etwas, wo die Leute jenseits aller Barrieren zusammen in ein Horn stoßen. Und dann kommt es auch noch von unten, aus den townships - super für die innere Integration im Land. Wer sind wir denn, dass wir dem Gastgeber vorschreiben, wie wir unser Turnier denn gerne in deren Land präsentiert und gefeiert hätten? Hä? Es reicht schon, dass McDonalds alleiniger Caterer ist, und die lokalen Kleingastronomen bei der WM außen vor gelassen werden.

In Mexiko erfunden, in südafrikanischen townships perfektioniert:
kommen die Vuvuzelas her.


7) Aber diese Plastikkrachmachdinger sind ja wohl kaum Kultur. Warum trommeln die denn nicht statt dessen, schließlich sind wir in Afrika.

Der Siegeszug der Vuvus ist eine Geschichte, die typisch Südafrikanisch ist. Die große Armut bei weiten Teilen der Bevölkerung setzt manchmal unglaubliche Energien frei, aus Müll und billigsten Werksstoffen Spielzeuge, Spielereien und eben Instrumente zu machen. Trommeln, Trompeten, Posaunen kosten ein Vielfaches. Die Vuvuzela ist das ideale Instrument, um auch dem kleinsten Mann für ganz wenig Geld Gehör zu verschaffen. Außerdem sind wir nicht im schwarzafrikanischen Busch, sondern in einer hochkomplexen gemischtrassigen Gesellschaft. Trommeln wäre 'schwarzes' Kulturgut, Engländer und Buren, Cape Malay und Inder haben damit nichts am Hut.

8) Ich habe Angst, dass die Vuvuzelas zu uns kommen, deshalb muss man sie schon in Südafrika verbieten.

Kein Scherz, diese Position vertreten offenbar nicht wenige. Doch die Vuvus werden kaum in die Bundesliga Einzug halten - dafür sind eben europäische Fußballkulturen wie Gesänge und Trommlen (sic!) zu weit verbreitet.
Interressant der xenophobe Unterton dieser Äußerung - uiuiui, unsere Kultur ist unter Beschuss, wir werden afrikanisiert! Da muss man doch was machen! Am besten den Afrikanern gleich mal ihre Kultur verbieten. Diese Angst und den dieser Geisteshaltung immanenten kulturellen Führungsanspruch finde ich ehrlich gesagt einfach nur widerlich.

Griffbereit für den nächsten Straßenkorso:
Original Vuvuzela auf der Hutbalage des 'Roadmovie Kapstadt' Tourbusses.

13.6.10

Vuvuzela: Horror hat einen neuen Namen

Was von Dezibel-Enthusiasten zunächst zur südafrikanischen La Ola gekürt wurde, machte schnell Negativschlagzeilen: BILD spricht vom Tröten-Horror, Fußballkommentatoren jammern, daß sie das eigene Wort nicht verstünden, und auf blogs und in Interneforen schäumt der Haß. Im Eifer des Gefechts fordern einige Selbstgerchte, den Afrikanern das Tröten zu verbieten. Und üben sich damit in post-kolonialer Überheblichkeit.


Aufrüstung mal anders:
Die original Vuvuzelas sind übrigens einfarbig, nix schwarz-rot-grellgelb.

Mit deutlicher Verunsicherung im Blick fragte eine ARD Journalistin nach dem Eröffnungsspiel drei schwarze Zuschauerinnen, ob das hier nicht doch 'ziemlich laut sei?'
"YES, ITS SO MUCH FUN!!!" lachten diese zurück, warfen ihre Köpfe in den Nacken und zeigten angespitzte Eckzähne. Africa is loud, das hat wohl inzwischen jeder begriffen. Und diese WM ziemlich anders als die deutsche Version des Spektakels vor vier Jahren. Wer aber durch die europäische Erwartungsbrille auf diesen Event schaut, und die Geräuschkulisse moniert, demonstriert kulturelle Kurzsicht.

Die deutsche Mannschaft stand noch nicht einmal auf dem Platz, da hatte die Nation also bereits das Feindbild dieser Weltmeisterschaft gekürt: Es ist etwa 70 cm lang, aus buntem Plastik, macht einen ohrenbetäubenden Krach und hat diesen lustigen Namen, der an einen seinerseits etwas nervigen deutschen Fußballgewesenen erinnert.


Die Vuvuzela wird derzeit zum Kristallisationspunkt eines Kulturkampfes - man muss sich nur mal die Internetforen zu diesem Thema durchklicken. Und, zugegeben, Ohrstöpsel machen durchaus Sinn, wenn mehrere Tröten zusammenkommen, genau wie beim örtlichen Disko- oder Festivalbesuch. Und ja, die traditionsreichen Fußballchöre der Europäer werden in Südafrika auf weiten Strecken überstimmt. Das Recht des Lauteren ist diesmal nicht auf unserer Seite. Schade, ne. Und daß das Gesumme in der Fernsehübertragung dank gekappter Frequenzen wie ein gereizter Wespenschwarm auf Zwetschenkuchenjagd klingt, ist irgendwie tatsächlich doof.

Doch so manche Empörung ist ihrerseits lachhaft. Angeblich trainieren die Deutschen jetzt mit Zeichensprache. Man stelle sich vor, Jogi könnte auf sein Geschreie mit astdicker Halsschlagader verzichten, und dirigierte statt desse lässig mit subtilen Handzeichen vom Spielfeldrand. Zu postmodern für den deutschen Fan?

Trötet laut und trötet gut: Südafrika feiert seine Vuvzela- Kultur.

Diese erste WM auf afrikanischem Boden ist nicht nur Profilierungsschauplatz europäischer Kultur, sondern öffnet ja hoffentlich auch unseren eurozentristischen Blick - sowie unser klassisch geprägtes Ohr - für die Welt. Andere Länder, andere Sitten, andere Fußballgepflogenheiten. Wer die Vuvuzelas verbieten will, hat das nicht verstanden, und verhält sich in seiner Ereiferung verärgert, verängstigt, (post-) kolonial. Ein bisschen wie der Tourist, der in Bangkok oder Kapstadt nicht auf sein Schnitzel mit Pommes verzichten will. Zu Welmeisterschaften gehörten aber schon immer die Bedingungen vor Ort: der Zustand des Rasens, die Zeitumstellung, das Wetter. Und der Heimvorteil. Für manche Kleingeister, die immer alles so haben wollen, wie es 'schließlich nur normal' sei, eine unerträgiche Vorstellung.

Dabei ist es so leicht, mit der Vuvu Spaß zu haben - es ist ja auch nur für diese vier Wochen! Danach wird die Tröte als Fußnote der WM wieder verschwinden, zumindest aus Europa. In Afrika ist sie schon lange nicht mehr wegzudenken, nicht nur aus den Stadien, auch aus Kirchen und bei jeder öffentlichen Kundgebung. Deshalb: Wer von den Horrotrompeten nicht weggeblasen werden will, wie anno dazumals die Mauern von Jericho, tut gut daran, für die Dauer dieser WM mit den Afrikanern zu feiern.

Ansetzen, tief Luft holen, und pusten, was die Lunge hergibt!

Aweeeeeethu iAfrika!


11.6.10

Roadmovie Kapstadt Live

Eine Landstraße in Norddeutschland, von Linden gesäumt. Bienen summen. Auf einmal ein helles Motorengeräusch - aus der Hitzespiegelung in der Ferne löst sich ein schwarzer Mini. Und braust vorbei, die Außenspiegel in den südafrikanischen Farben geschmückt, zwei Poster in den Rückbankfenstern kündigen die literarische Neuerscheinung des Sommers an, hinten auf der Hutablage prangen die gekreuzten Vuvuzelas in den Farben Bafana Bafanas. Kaschl is on Lesetour!

Have you seen this car? Sprich den Fahrer an
und gewinne eine signierte Erstausgabe 'Roadmovie Kapstadt'.

Natürlich schmerzt es, wenn Jürgen Klinsmann im Traumstadion Kapstadts das Frankreich : Uruguay Spiel ankommentiert – wie gerne wäre man da live dabei statt nur mittendrin gewesen! Die WM in Deutschland zu erleben, ist aber durchaus interessant, und Sehnsucht nach iKaapa kenne ich inzwischen gut genug, um mir davon nicht den Moment stehlen zulassen.

Bringing South Africa to Berlin:
Public Viewing des Eröffnungsspiels am Hauptbahnhof.

Deutschland zur WM 2010: Nächtens betrunken durch deutsche Innenstädte schlendern, am Morgen Frühstück mit guten Brötchen in Nebenstrassenbistros. Mit alten und neuen Freunden tief schürfende Gespräche führen, jeden Abend in einer andern Stadt, von der Münchner Surfdebatte zur Wiesbadener Lebemanndiskussion, vom griechisch-schwäbischen Orakelspruch zur Berliner Großstadtgörenattitude, Fußballphilosophie, Weltrettungspläne, Gemütlich-keit... Deutschland hat viel zu bieten, was Ansichten und Themen betrifft.

Und mit dem Tourmini durch diese unsere Lande brausen, auf Isomatte, Sofa oder Himmelbett pennen, in fremder Leute Kühlschränken auf Beutefang gehen – es ist schon ein bisschen Rock n Roll in einer Lesereise. Lesen, Erzählen und Berichten. Von Kapstadt, seiner Geschichte und Gegenwart, den Menschen und Plätzen, den Krisen und der großen Hoffnung. Was mir auffällt: das große Interesse der Deutschen an Südafrika – bei denen, die das Land bereits kennen, sieht man sogar gegen das Scheinwerferlicht ein ganz bestimmtes Glitzern in den Augen. Aber eine definierte Zielgruppe scheint es für mein Buch trotzdem nicht zu geben: Im Berliner Theaterdock hatte sich am Vorabend des WM Kickoff eine Auswahl höchst unterschiedlicher Gäste eingefunden, (unter anderem ein Berliner Reaggae/Dancehall Caballero, enDo Surf Prominenz und eine zum Islam bekehrte deutsche Mutter) die der schwülen Warmfront zum Trotze den Weg in einen Lesesaal dem auf die Grillwiese vorzogen. Sicherlich trug auch der gesponsorte Moselwein noch seinen Anteil dazu bei, daß wir noch lange nach Ende der eigentlichen Veranstaltung dort oben im zweiten Stock zusammen saßen, lachten, tranken, und diskutierten. Und so ein bisschen hatte man das Gefühl, Anteil an einer großen Sache zu haben, die man gar nicht genau greifen, aber vielleicht mit dem Arbeitstitel 'Mensch und Mensch' bezeichnen könnte.

Tue Gutes, rede darüber und hole dir Support
von einem echten Popstar.
Dellé hatte da mal ein paar Fragen...

Spät bezog ich mein Nachtlager auf einer Berliner Couch, voller Ungeduld auf den nächsten Tag, der endlich, endlich, das so lange ersehnte Eröffnungsspiel bringen sollte. Und eine kleine Regenerationspause, bevor ich den Mini belade und mal wieder quer durch Deutschland düse.

7.6.10

Der wichtigste Tip von Allen: Bloß keine Angst

In fünf Tagen ist Anpfiff - und die Welt uneins in der Bewertung des Gastgeberlandes. War es am Ende doch ein Fehler, die WM ausgerechnet an Südafrika zu vergeben? Deutsche Medien tun sich besonders in der Negativ-Berichterstattung hervor. Doch Angst ist ein schlechter Ratgeber - auch für WM-Reisende. Für Mzansi gilt: Wie man in die Vuvuzela hineinstößt, so kommt es dann auch zurück.

Ängste zu schüren, hat in Südafrika eine lange Tradition: Noch in den Neunzigern gingen Parteien auf Wählerfang mit der Beschwörung der 'swart gevaar', einem Memplex, den sich die Architekten der Apartheid fein ausgedacht hatten. Solange die Menschen sich nur genug um ihre eigene Sicherheit sorgten, waren sie leicht vor den Karren jeder Menschenrechtsverletzung zu spannen - und in ihrer Meinung manipulierbar. Karl-Ludwig Günsche, Spiegel-Berichterstatter in Kapstadt, hat sich wohl eindringlich mit diesem Prinzip vertraut gemacht, und zusätzlich zu der Effektivität der Angstpropaganda anscheinend vor allem zwei Grundprinzipien aus der Journalistenschule im Ohr behalten: Good News Is No News und Bad News Travel Fast. Was der Schreiber da immer wieder aus Südafrika und Kapstadt zu berichten weiß, lässt mir in seiner Borniertheit und Selbstgefälligkeit jedenfalls den Atem stocken. Land und die Leute, wie ich sie kennen und schätzen gelernt habe, sind in seinen Berichten zur Unkenntlichkeit verzerrt.

Auch vermeintlich gut gemeinte Ansätze, wie dieses Video von Planetopia, produzieren doch vor allem eins: Unsicherheit bei den Südafrika Besuchern. Wer tatsächlich glaubt, seinen Rucksack wie ein Känguru vor sich her tragen zu müssen, oder für 150 Meter in der Stadt ein Taxi zu bestellen, macht sich nicht nur lächerlich, sondern wird vor lauter Übervorsichtigkeit garantiert nichts von all dem erleben, was Südafrika so erstaunlich macht.

Ich schlage im Sinne eines schöneren Events, einer besseren Welt und natürlich im Namen der Reinen Wahrheit statt dessen allen WM-Gästen und auch den Daheimgebliebenen vor, sich von derartiger Meinungsmache zu befreien, die europäische Brille abzulegen und dafür von der Begeisterungsfähigkeit der Südafrikaner anstecken zu lassen. Ein gutes Beispiel dafür findet man hier.

Wer schon mal erlebt hat, wie zwei schwarze Toilettenpfleger im Garden Center Kapstadt zu den aus ihrem Handy tönenden Klängen des Diski abgetanzt haben, kann sich wirklich nur fragen, wo Herr Günsche und seine Kollegen sich denn eigentlich immer rumtreiben, um ständig neue Negativschlagzeilen aufzuspüren.

Sicherlich ist Südafrika ein problematisches Land. Doch wie so oft entsteht auch hier die Realität im Kopf. Sicherheit ist kein Status, sondern ein Geisteszustand. Wer eine perfekt organisierte WM und eine satte, sichere Gesellschaft wie in Deutschland als Maßstab setzt, kann nur enttäuscht werden. Doch Südafrika ist anders, ist laut und bunt und chaotisch. Und gerade deshalb so liebenswert. Lassen wir uns den Blick auf die schönen Seiten des Events und dieses Landes nicht von Miesmachern verderben!

3.6.10

Tips für WM Reisende: The real taste of Mzansi

Während die deutschen Kicker bei der WM vom Münchner Gastronom Holger Stromberg bekocht werden, mutet die Fifa dem Fan im Stadion ausschließlich die kulinarischen Höhenflüge des McDonald's Konzern zu. Was bei den Kickern im Sinne der Löwschen Stratgie wenigstens etwas Sinn zu machen scheint, ist für die Besucher ein essenstechnischer Supergau. Ausgerechnet in einem Land mit langer und geschmackvoller Tradition an Haupt-, Neben-, und Nachspeisen, Snacks und Imbissstuben spuckt die Profitgier der Fifa den am Rande des Existenzminimums operierenden Kleinstgastronomen in die Butternut-Suppe.


Ähnlich wie 2006, als die Fifa beim Fußballfest in Deutschland ausgerechnet amerikanisches Bier ausschenken lassen wollte, ist die Empörung groß. Anders als damals aber lässt sich der Gigant diesmal wohl nicht im Sinne lokaler Vielfalt erweichen. Traditionelle Kleinverkäufer und Imbissbuden bleiben aus ihrem angestammten Plätzen in und um die Stadien verbannt. Damit WM Besuchern die Geschmacksknospen nicht gänzlich von Weizenpappbrötchen und Ketchup verkleistert werden, beleuchtet News from Nowhere exemplarisch einige kulinarische Highlights, die man sich nicht entgehen lassen sollte.


Hier trifft man sich: Fish 'n Chips in Paternoster, West Coast.


Boerewors und Chakalaka, Fish and Chips: Südafrika bietet eine unglaubliche Vielfalt an schmackhaftem Fast Food – wobei man berücksichtigen muss, dass 'Fast' nicht immer wörtlich zu nehmen ist. Auf eine gut gegrillte Wurst muss man schon mal zehn Minuten warten, das lohnt sich dann aber: Boerewors ist eine oft zur Schnecke aufgerollte Grillwurst, die dem europäischen Gaumen zunächst etwas derb erscheinen mag. Wer sich aber einmal dran gewöhnt hat, wird für Thüringer, Nürnberger oder Frankfurter nur noch ein mildes Lächeln übrig haben. Tip: der Würstchenmann am Long Beach in Kommetijie. Der britische Klassiker Fish 'n Chips erfährt in der südafrikanischen Variante durch erstklassige Frischfischqualität eine Veredelung. Standardfisch ist Hake (Seehecht), Snoek (Hechtmakrele aus der Barrakuda Familie)hist auch lecker, hat aber viele Gräten. Zu empfehlen sind auch Calamari. Die Fritten der fettig-essigen Variante aber sind nicht Jedermanns Sache, auch wenn hier ähnliches gilt wie bei der boerewors.- wenn man sich mal dran gewöhnt hat... Mein Tip: Fish Hoek Fisheries in (erraten!) Fish Hoek.
Fastfoodketten bieten reichlich unterschiedliche Qualität, während ich OceanBasket und Steers für einen Snack unterwegs wirklich empfehlen kann, kommt mir bei Wimpy trotz witziger Werbung öfter mal das Würgen.


Ein Südafrikanischer Frühstücksklassiker: Eggs Benedict.


Die Mittelklasse: Südafrika ist reich an günstigen Restaurants, die der Vielfalt des Landes gerecht werden: Cape Malay, Afrikaans, Portugiesisch, Spanisch, Britisch, Indisch, Deutsch... der Mix ist großartig, und egal, ob die Küche eklektisch oder traditionell mit den Einflüssen umgeht, das Ergebnis ist meist umwerfend. Die Geschmacksrichtungen scharf und süß dominieren, und grundsätzlich gilt: eher Schwarte als Nouvelle Cuisine, eher Sahne statt Joghurt. Heiße Tips für Kapstadt: Don Pedros in Woodstock (ein legendärer Hang Out und tolle Pizza), A Touch of Madness in Observatory (für Kudu Steak und einmalig skurrile Atmosphäre) und das Polanas in Kalk Bay (für Calamari Steaks, Fisch und die Spareribs....und einen Sitzplatz in den Wellen).


Vorspeise im Food Barn: Scampitriade auf Auberginensouflée.


Herausragende Restaurants: Diese finden sich in großer Anzahl im ganzen Land. Mein Favorit für Sushi in Kapstadt ist das Kitima, das einen Mix asiatischer und europäischer Küche serviert. Empfehlungen kann ich auch für das Beluga, Marco's Place für afrikanischen Flavour und ganz besonders für den Food Barn aussprechen. Das Emily's, einst als eines der zehn besten Restaurants Afrikas gehandelt, hat seit seinem Umzug von Woodstock an die Waterfront, wenn nicht an gastronomische Qualität, dann doch auf jeden Fall an Atmosphäre verloren.
Wer sich in den Karroo verirren sollte, dem sei ganz besonders ein Besuch in der Transkarroo Country Lodge in Britstown empfohlen: Dort gibt es eine Lammhaxe, die butterweisch vom Knochen fällt, und das zarteste Springbokfilet, das man sich vorstellen kann.


Da geht einem doch das Herz auf:
Samstägliches Einkaufen in der Old Biscuit Mill in Woodstock.


Selbstversorgung:
Im Gastland der WM genießt das Grillen (man spricht vom Braai) fast religiöse Bedeutung – kein Campingplatz, keine Lodge, kein B+B, das nicht mit einer gut ausgebauten Grillstelle aufwartete. Wer den Umgang mit frischen Fisch und Grillfleisch liebt, findet in Südafrika ein wahres El Dorado. Selbst im Supermarkt sind die Preise für qualtitativ hochwertiges Grillgut äußerst moderat. Frisches Gemüse in herausragender Geschmacksintensität kann man für Bruchteile der europäischen Preise erstehen. Tipps für Kapstadt: Fish for Africa landet in Hout Bay den eigenen Fang an, hat außerdem ein Outlet in Woodstock. Rogers Fruiterers ist nur einer von vielen Obst- und Gemüsespezialisten mit guter Qualität bei kleinen Preisen. Für das authentische Braai braucht man große Mengen boerewors, Lammkoteletts, Steak und Fisch (am günstigsten und trotzdem lecker ist wiederum Hake). Peri Peri und Monkey-Gland Sauce statt Ketchup sind Pflicht. Eingefleischte grillen übrigens auch nicht mit Kohle, sondern mit Kameldooring (Kameldornbusch), welches ausgesprochen schnell eine gute Glut produziert (andere Braaimaster schwören auf Rooikrans Holz). Unter Spezialisten gilt ein Ehrenkodex, nachdem man zum Anzünden nur ein Streichholz braucht, und das Holz so schichtet, dass man niemals nachlegen oder schüren muss.


Bleibt zu hoffen, dass die Strombergsche Versorgung den Deutschen wirklich zum Titel verhilft. Wie man hört, soll es ja auch einmal einen 'Barbecue' Abend geben (welch Sakrileg!). Für den Fall eines frühzeitigen Ausscheidens sei den Kickern jedenfalls ein kurzer Ausflug in die lokale Gastronomie sehr ans Herz gelegt... für alle anderen Besucher sind mindestens drei Kilo Gewichtszunahme Pflicht.

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