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3.11.09

Germanismen V: Zoff im Kofie-shop

Entschuldigung, lasen Sie Kofie-shop? Copy-shop ist gemeint. Nicht weniger dramatisch die Story deshalb, nur etwas dezenter in der Darstellung expliziter Gewalt. Tarantinoesk würde mindestens eine wild fauchende Explosion - bei der halb Wiesbaden drauf geht - fordern. Bei meiner Auseinandersetzung blieb es jedoch bei geschwollenen Halsschlagadern auf 220er Puls. Was man alles auf sich nimmt um sein Manuskript unters Volk zu bringen.

Es ist heiß, der Durst quält dich, und da – eine Bar!

Doch halt, hier schon drängt sich ein Fehler auf – wir sind in Deutschland, es ist November. Was also stimmt an dieser Szene nicht? Richtig. Also dann. Nochmal.

Es ist naßkalt, der Asphalt glänzt steinern. Du vergräbst deine Nasenspitze in den Cashmereschal und ziehst die Schultern höher. Da – eine Bar!

Sagen wir nicht Bar. Sagen wir ... Theater. Ja, Theater. Oder doch lieber ein Copy-shop? Ja, viel besser. Naßkalt, Schultern hoch, Copy-shop.

Ich also rein, mein Buch vervielfältigen lassen. Alles ist vorbereitet, der USB Stick gezückt. Die Bedienung gestern war hübscher. Sie hatte zwar eine Menge Piercings. Aber sie war zumindest weiblich und hatte kompetent gewirkt. Zwei Aspekte, mit denen der Migrant hier vor mir eher nicht so punktet.

Ich bin natürlich tolerant, interkulturell versiert und frei von Vorurteilen. Und außerdem meiner Sache sicher - immerhin habe ich ja auch vor, mehrere hundert Euro hier zu lassen. Ich also ran an die Maschinen.

Der Typ kommt rüber.

Wie kann ich helfen?

Ja ich bräuchte – hier... ja danke, halten Sie mal....hier, also. 346 Seiten als Buch bitte.

Ah...ja, also dann wollen wir mal sch-

Ich weiß schon. Hier drücken. Und da, und ach, Scheise. Was... was ist jetzt?

Der Drucker druckt.

Das seh ich, daß der Drucker druckt. Aber warum?

Warum? Na du hast gedrückt Drucken, also druckt.

Hä? Ich... hab gar nicht... Scheise.

Ja. Scheise.

Der Drucker druckt 346 Seiten doppelseitig in der falschen Reihenfolge. Ich würde gerne etwas verfluchen, weiß aber gerade nicht wen oder was. Der Typ schüttelt den Kopf.

Warum du druckt Drucken? Du bist ungeduldig, mein Lieber!

Sein Lieber? Das kann ich ja gar nicht ab. Ich gifte zurück.

Mein Lieber, wenn ich sage ich habe nicht Drucken gedruckt, äh drückt.


Einen Moment lang bin ich davor die 45er zu ziehen um für Klarheit zu sorgen. Testosteron schwängert die Luft. Ha! Was für ein Bild: Zwei Hoden, die zwischen den Kopierpapierstapeln hindurch einander nachjagen, immer dabei, Samen in die Luft zu sprotzen... Ulf, also bitte!

Na gut, jedenfalls Männerstress.

Wir wenden uns wortlos voneinander ab.


Also wie jetzt. Ende oder was.

Nein, nicht Ende. Wir stehen im Laden rum, und schließlich, also so nach ner Weile Schweigen in unterschiedliche Richtungen, sagt der Copy-shop Typ.

Also, ich mach mal jetzt, ja?

Er klickt ein bisschen rum, da mal Fenster auf, da mal klicken. Null Plan, merkt man sofort.

Der Drucker druckt 346 Seiten zweizeilig doppelseitig im A 5 Format. Perfekt. Der Typ schneidet und bindet. Nach 5 Minuten liegt es in rotem Einband vor mir, mein Buch.

Ich schäme mich. Also ein bisschen. Ich entschuldige mich. Also nach ner Zeit. Und bestelle 10 Kopien á 12 Euro das Stück. Mit Spiralbindung.


Und auch Du kannst bald eine Kopie meines ersten Romans lesen... erfahre ab Ende November hier mehr darüber...

4 comments:

Lieschen said...

Bin schon gespannt =)

Anonymous said...

Du hast dich entschuldigt und bekommen was du wolltest. Die Welt ist wieder in Ordnung.

Für die Entschuldigung meinen Respekt. Ich kenne nicht viele, die das können. Ich glaube, ich gehöre selbst nicht zu ihnen. Aber ich bin mir da gerade nicht ganz sicher.

Viele Grüße
Sammy

Anonymous said...

Hört sich interessant an ;)

Juliane Spingler said...

ich schmunzle, obwohl das ja wirklich nicht lustig ist...;)

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