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19.2.10

Do's and Don'ts: Wie gefaehrlich ist Kapstadt (II)

Mehr Geld als an Gangster verliert man an Touristenfallen.
Vorsicht vor Restaurants, die einem das Gesicht anpinseln.



Unfälle, Überfälle und Gewaltdelikte gehören unzweifelhaft zum südafrikanischen Alltag. Das Leben am Kap der guten Hoffnung ist wilder, rechtloser, gefährlicher als in Castrop-Rauxel. Viele tatsächliche Gefahren werden von Unwissenden allerdings nicht erkannt oder falsch eingeschätzt; andere Gefahrenpotentiale werden, sogar von Ortskundigen, stark übertrieben, und bis zur Paranoia aufgebauscht. News from Nowhere entlarvt einige Mythen und nennt unterschätzte Gefahren.


Man soll:

 Sich treiben lassen: Kapstadt und ganz Südafrika laden dazu ein, auf eigene Entdeckungsreise zu gehen. Oft stehen die schönsten Bed & Breakfast eben nicht im Lonely Planet, sondern werden per Zufall gefunden. Das Angebot ist so breit, dass man auch in der Hochsaison nicht reservieren muss, es sei denn, man ist an einem touristischen Hotspot gelandet. Und selbst dann ist oft noch der Campingplatz frei. Wer seine Reise exakt vorgeplant hat, wird sich irgendwo irgendwann sehr aufregen, weil nichts klappt – oder darüber ärgern, an diesem oder jenem Ort nicht mehr Zeit eingeplant zu haben. Wer mit offenen Augen und gesundem Menschenverstand unterwegs ist, muss sich unterwegs nicht fürchten.

Snoek - Frisch vom Kutter am besten.
Der Stassenrand haelt einige kulinarische Ueberraschugnen bereit.


 Ein Auto mieten. In Südafrika unkompliziert, billig, und oft die einzige Art und Weise, dorthin zu kommen, wo man hin will. An den Linksverkehr gewöhnt man sich schnell, der Stadtverkehr ist einigermaßen zivilisiert. Auf dem Land ist man oft kilometerlang alleine auf schnurgerader Piste unterwegs – road movie pur. Auf Staubstraßen lässt man ein bisschen Luft aus den Reifen (nachher wieder aufpumpen!) und fährt dann in etwa wie auf Schneedecke. Optimale Geschwindigkeit sind 60 km/h, dann spürt das Auto - und man selber - die Vibrationen am wenigsten.

Alte Autos - sehen gut aus, und fahren besser als man denkt.
In Kapstadt billig zu haben.


 In Restaurants essen gehen: Die südafrikanische Küche ist vielfältig, lecker, und billig. Egal ob Frühstück, Kaffee, Sushi oder Festmahl – selten bekommt der Reisende solche Qualität und Quantität für so wenig Geld. Kettenrestaurants sollte man meiden – hier gilt diese Regel nicht unbedingt.Da freut sich der Hobbykoch.
Frischer Cape Salmon fuer weniger als ein Buttterbrot.

 Trinkgeld geben. 10% in Restaurants, für Autobewacher sind je nach Parkdauer 2 bis 5 Rand angebracht. Ein unbewachtes Auto, gar mit Surfbrettern auf dem Dach, ist schnell Ziel krimineller Energie. Auch an Tankstellen sind 2 Rand für den Tankwart angemessen, wenn er ungefragt noch Fenster putzt und Öl und Wasser checkt, auch mal mehr.

 Mal einen Anhalter mitnehmen: Obwohl Minitaxis sehr viele Townships mit der Innenstadt verbinden, kommen viele Angestellte einfach anders nicht zur Arbeit. Die Schauermärchen über Vergewaltigung etc. muss man nicht immer glauben. Für Frauen mit Kindern an übersichtlichen Anhalterstellen anzuhalten dürfte selbst für Ängstliche möglich sein – es wird aber davor gewarnt, dass diese manchmal als Köder benutzt werden. Also Vorsicht, und im Gebüsch nach Gangstern checken. Selber zu trampen kann man nur in sehr übersichtlichen Gebieten empfehlen - obwohl ich keine eigenen Erfahrungen auf dem Gebiet habe, trifft man immer wieder Verwegene, die von problemlosen Reisen berichten.

 Schwimmen, Surfen, Tauchen gehen: Die Ozeane um Kapstadt sind ein echtes Highlight, wenn auch kalt. Wer Interesse am Surfen hat, geht nach Muizenberg, und nimmt dort eine Stunde. Der Spaß ist billig und kann sich zu einer lebenslangen Passion entwickeln. Taucher dürften in den Kelpwäldern eine hochinteressante Abwechslung zu den tropischen Korallenriffen sonstiger Tauchdestinationen entdecken. Die Chancen, kleine und große Haie, Riesenrochen oder Seehunde zu sehen, sind extrem gut. Angriffe von Haien auf Taucher und Surfer sind statistisch gesehen weniger wahrscheinlich als dreimal hintereinander vom Blitz erschlagen zu werden.

Eine Unterkunft mit speziellem Charakter:
Das
Beach Camp in Paternoster.


 Auf den Berg steigen: Mit der Kabinenbahn auf den Tafelberg zu fahren ist langweilig. Wenigsten den Weg hoch sollte sich jeder zumuten, Natur und Aussicht sind einfach einmalig. Allerdings sollte man niemals alleine gehen, oder wenigstens einen Hund dabei haben, sowie jemandem Bescheid geben, welchen Weg man wählt, und wann man wieder zurück sein sollte. Gute Schuhe, Sonnencreme, ein Pulli und genügend Wasser sind unabdingbar.

 In ein township gehen: Bitte nicht mit einem organisierten Bustour, und dann wie im Zoo kleine schwarze Kinder knipsen, sondern mit einem Freund hinein laufen und eine Kneipe (sogenante shebeen) suchen.Viele Townships sind inzwischen sehr aufgeräumt und sicher, vor allem wenn man sich selbstbewusst und freundlich gibt. Zu üble Gegenden sollten aber unbedingt gemieden werden, z.B. Lavender Hill, Mannenberg, Mitchells Plain. Nicht nachts unterwegs sein.

Ocean Heights - township der anderen Art.
Auch so kann es in einem 'slum' aussehen.


 Das Nachtleben auf der Long Street, Seapoint und Observatory geniessen - aber im Club seinen Drink nicht unbeaufsichtigt stehen lassen (K.O. Tropfen). Distanz zwischen Auto und Club minimal halten.

 Kondome bereit halten. Wer in Südafrika ungeschützen Geschlechtsverkehr hat, ist entweder lebensmüde oder bereits HIV infiziert.


Man soll auf keinen Fall:

 In Sandalen alleine und ohne Wasser den Tafelberg erklimmen. Jedes Jahr ergötzen sich die Tageszeitungen an den oft tödlichen Unfällen dummer Touristen, die den Berg und seien Gefahren unterschätzen. This is Africa, bru! Überfälle auf dem Berg sind zurück gegangen, kommen aber vor. Wer einen Hund dabei hat, eliminiert diese Gefahr. Vorsicht vor Schlangen. Anders als andere Gifttiere verkriecht sich die auf dem Berg häufige Kap-Puffotter nicht, wenn sie Geräusche hört. Ein unbehandelter Biss kann tödlich sein.

 Handies, Portemononnaie, Sonnenbrille in Auto oder am Strand liegen lassen, auch wenn es noch so sicher wirkt. Ein Klassiker: Camps Bay ist beliebtester Strand für Kreinkriminelle die arglose Touristen 'strippen' - selbst erfahrenen Afrikareisenden, die alle Abenteuer des Kontinents unbeschadet überstanden, wurden hier schon ihre Motorräder mitsamt der ganzen Reiseausrüstung geklaut.

 Betrunken oder bekifft nachts Auto fahren. Obwohl dies ein beliebter Sport der ansässigen Bevölkerung ist, muss man dringendst davon abzuraten. Fußgänger und wilde Tiere machen das Autofahren nachts auch so schon gefährlich genug. Es ist wirklich wahr – schwarze Passanten sieht man bei Dunkelheit sehr schlecht und spät. In ländlichen Gegenden muss man damit rechnen, plötzlich Antilopen auf der Fahrbahn zu treffen – Oryx oder Eland wiegen etwa soviel wie ein Pferd, und selbst ein SUV wird bei einem Zusammenprall schwer beschädigt. In Südafrika gilt eine 0,5 Promille Grenze.

Käfigtauchen gehen: Obwohl sehr verbreitet und bei Touristen beliebt, kann ich mich nur gegen die Praxis des Käfigtauchens aussprechen – Weiße Haie werden zur Befriedigung des Kitzel in Küstennähe mit Ködern angelockt, und lernen, Menschen mit Futter in Verbindung zu bringen. Angriffe auf Schwimmer und Surfer werden damit wahrscheinlicher. Wer weiße Haie sehen will, kann ohne Käfig tauchen gehen und auf sein Glück vertrauen – der Hai ist scheu und selten, es gibt keinen verbrieften Angriff auf Taucher.

 Sich mit Behörden anlegen: Wer Stress mit südafrikanischen Beamten hat, ist zu bedauern. Besser als sich typisch deutsch aufzuregen ist, jede Schikane hinzunehmen, und Anforderungen so gut es geht zu erfüllen. Letztlich spart man sich dadurch Zeit – und Ärger. Einem Top 44 Surfer wurde kürzlich die Einreise verwehrt, weil sein Pass deutliche Abnutzungsspuren trug. Der Surfer beschwerte sich, und landete prompt für eine Nacht im Gefängnis, um am nächsten Morgen in Handschellen ein Flugzeug nach Hause zu besteigen. Deshalb: ruhig bleiben, lächeln, dumm stellen – und geduldig sein, wenn's mal länger dauert.

Das Gesicht Suedafrikas:
Ein strahlendes Laecheln.

 Sich in die Touristenfallen in Big Bay setzen, sich pseudoafrikanische Verzierungen in die Fratze malen lassen, und dabei supercool fühlen. Das ist nur peinlich, sonst nichts.

 Sich von Horrorstories die Sicht auf Südafrika und seine vielfältige, hilfsbereite, kommunikationsfreudige Bevölkerung verstellen zu lassen. Im Falle eines Falles sollte man sich ohne Widerstand von weltlichen Gütern trennen können – immer noch ist ein Menschenleben sehr billig, wenn man am Existenzminimum lebt. Handy, Geld, selbst der Pass sind es nicht wert, sich in einem Handgemenge ein Loch in der Haut zu holen. Wer Opfer einer Vergewaltigung wird, tut aber gut daran sich so vehement zur Wehr zu setzen, wie es nur möglich ist – die traurige Wahrheit ist, dass viele Vergewaltigungen in Südafrika im Mord enden.


Die kleinen Dinge werden oft uebersehen.
Diese Wunder der Natur sind nicht groesser als ein Geldstueck
- und jeder Seestern hat sein individuelles Muster. (click to enlarge)

4 comments:

Anonymous said...

wow ulf. I've been living in ct for many years and i.ve not read a more useful honest and intelligent tourist guide ever. Continue please. It's informative amusing and smart and makes up all the more streetwise (not the KFC one). T

Ulf Iskender Kaschl said...

Hej T,
thanks for the compliment! I am sure to continue - any suggestions topicwise? PLease also check out my posting n the Voortrekker Monument - would be interested to know what you think about it.

http://ukaschl.blogspot.com/2009/11/voortrekkers-and-heroism-history-lesson.html


cheers,
Ulf

Anonymous said...

hey, Danke für die Infos..in 1 1/2 Wochen flieg ich mit meinem Freund für 7 Monate nach SA. und wir werden hauptsächlich in kapstadt für Praktika sein.
Was meinst du genau mit : den Fallen von Big bay?
Weißt du was über den big bay beach club?
LG*phöbe

Ulf Iskender Kaschl said...

Hallo Phoebe.
Erstmal: Viel Spaß in Kapstadt! Ihr werdet tolle 7 mOnate dort verbringen, da bin ich mir sicher. Big Bay ist für mich DAS Beispiel fehlgeleiteten Torusimusinvestments: Hier wurde mit wenig Bedacht eine einstmals herrliche Bucht und Dünenlandschaft mit Kommerz und Flächenbebauung zerstört. Vor zehn Jharen war da noch gar nichts außer einer kleinen Umkleide am Strand. Jetzt entsteht dort (bzw. ist schon entstanden) ein Touristendisneyland mit einkaufszentrum, Flaniermeile und vielen sehr gelich aussehenden und direkt in die sensible Dünenlandschaft heineingeklotzen Ferienapartments ohne jeglichen flair. vorne am Wasser ist es ähnlich wie an der Waterfront, viel bling bling, aber irgendwie ein bisschen prolliger - und einer wie ich finde, ekelerregenden pseudo-Akzeptanz afrikanischer Kultur. Man kann sich das mal anschauen, aber mit authentischem Afrika hat das mal gar nichts zu tun, sondern eben eher mit Disneyland. Viele Toursisten die das mitbekommen sind aber sehr begeistert und erfreuen sich an der künstlichen Version mehr als am Original.

Grüße,
Ulf

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