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19.4.10

Beetle Drive Thru (II): Auf der R 27 durch den Great Karoo

Pause muss sein: Waehrend der Beetle abkuehlt,
gibt es eine photo oppurtunity.


Es gibt einige bemerkenswerte Straßen im Südafrikas Nordwesten. Oft schnurgerade und wenig befahren, zerteilen sie die oft bizarre Landschaft aus Mondgeröll und rostbraunen Kegelbergen in Links und Rechts. Das Fahren ist entspannt, das Auge hat Zeit zum Wandern, genau wie die Gedanken, der Horizont ist weit, und der Himmel blau. Eine besonders schöne Strecke findet sich in der R 27, die man im Prinzip von Kapstadt bis nach Keimoes fahren kann, also fast 1000 Kilometer vom Grün des Kaps bis in das trockene Herz Südafrikas.


Daimler testet seine neuen Motoren auf
den langen leeren Strassen des Northern Cape.

Nach unserer ersten Etappe haben wir ein bisschen an Zuversicht in unseren Käfer gewonnen. Trotzdem versuchen wir, früh morgens in Nieuwoudtville los zu kommen, um der drohenden Überhitzung und einer resultuierenden rotglühenden Kolbenschmelze vorzubeugen. Das fahle Morgenlicht fängt sich in vereinzelten Grasbüscheln, flach breitet sich die Ebene des Great Karoo vor uns aus. Das wir fast 1000 Meter hoch sind, merkt man nur an der klarkalten Luft und einem leichten Kopfschmerz, der aber auch auf die Gin Tonics des vergangenen Abends zurückzuführen sein könnte. Bis spät in die Nacht (also bis etwa 21:00 Uhr) haben wir noch draussen gesessen und Sternenbilder gesucht, haben das Achterdeck des Großen Schiffes und Saturn im Sternbild der Jungfrau gefunden.

Bis nach Calvinia fahren wir fast schweigend, die Landschaft ist der Introspektion förderlicher als der Konversation. Dann der erste Stopp des Tages an der Tankstelle der Dorfeinfahrt. Bei den dort auf Arbeit wartenden Tagelöhnern ist der Beetle die Attraktion, alle wollen 'Herbie' bestaunen, und als wir wieder lostuckern, wird eifrig gewunken. Als wir die letzten Häuser der kleinen Stadt hinter uns lassen, umfängt uns die Landschaft gewaltiger als zuvor mit ihrer überwältigenden Leere.

Neugierige Schaulustige:
Erdhoernchen begaffen den liegen gebliebenen Kaefer.

Wer hier hindurch fährt, um anzukommen, ist nicht zu beneiden. Zwar ändern sich Farben und Formen stetig, doch so langsam, dass man das Gefühl hat, nur zäh voran zu kommen. Im Kopf bewegt sich dafür um so mehr. Gedankengänge werden wie dicke Fische vom Vakuum der Landschaft ans Ufer des Bewusstseins gezogen. Trocken, trocken, trocken hallt es in meinem Schädel wieder und instinktiv greife ich zur Wasserflasche. Als nach 200 Kilometern Landschaft wieder die erste kleine Ansammlung Häuser von Kenhardt zu sehen ist, und sogar Menschen auf der Straße zu sehen sind, ist das schon fast eine kleine Sensation. In einem mit Nippes vollgestopften Padstall trinken wir Ryekoffie, den südafrikanischen Muckefuck, und genehmigen uns noch eine Koeksister. Stunden könnte man hier verbringen und sich die Menschen ansehen, die hier draussen leben und sich darin versuchen, ihren Alltag vorstellen – die Farmer, die Hausfrauen, die Landarbeiter, die Greise und Kinder. Wir aber gehen bald wieder on the road, die Etappe ist noch lang.

Gegen halb vier Uhr plötzlich spuckt der Motor. Die Hitze flimmert auf dem Asphalt, die durch die Rostlöcher der Karosserie in die Fahrerkabine einziehende Luft bringt schon lange keine Abkühlung mehr. Ich nehme den Fuß vom Gaspedal, um dann vorsichtig wieder zu beschleunigen – vergeblich, der Käfer will nicht mehr. Langsam rollen wir auf dem Seitenstreifen aus, gerade noch bis in eine Parkbucht schaffen wir es. Kurz blicken wir uns an – irgendwo im Nichts des Great Karroo liegen zu bleiben, ist nicht gerade die erquicklichste Vorstellung. Doch wir sind vorbereitet. Wasser in Kanistermenge, Sonnenschirm, und ein Würfelspiel helfen die Zeit angenehm zu überbrücken, bis der Motor weit genug abgekühlt ist, daß wir unsere Reise fortsetzen können.

Einer von vielen unfreiwilligen Stopps:
Fuer 45 Grad im Schatten ist der Kaefer ein bisschen zu altersschwach.

Spät am Abend und einige unfreiwillige Unterbrechungen später, kriechen wir nach Upington. Heute wurde uns das Limit aufgezeigt, bis zu welchem wir unseren kleinen Volkswagen quälen können. Teils erleichtert, dass wir heil angekommen sind, teils mit unguten Befürchtungen, was den weiteren Verlauf der Reise, angeht, schlagen wir in der Dunkelheit unser Zelt auf. Nicht mal zum Abendessen haben wir noch die Kraft, und auch die Sterne werden diese Nacht ohne uns funkeln müssen.

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