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15.7.10

Surfin' RSA: Albtraum Jeffreys Bay

Südafrika hat ungezählte und oft noch unentdeckte Surfspots zu bieten. Doch die Zeiten, wo man wie im Kultfilm 'Endless Summer' beschrieben am liebsten mit allen seinen Kumpels und deren Freunden zusammen in die Wellen springt, sind vorbei - auch in Mzansi werden die secret spots dank der Entwicklung des einstigen Randphänomens Wellenreitens zum Breitensport inzwischen eifersüchtig gehütet. Jeffreys Bay, einst der Traum jedes Wellenjunkies, ist Paradebeispiel dafür, wie Surfer, Industrie und Tourismus einen Strand und das dazu gehörende Dörfchen veschandeln können.

Werbewirksam: Ein Spot wie Supertubes zieht Sponsoren an,
die ja auch irgendwo ihre Sticker loswerden müssen.



Kaum ist die WM verklungen, und die letzten Vuvuzelas werden von den Rängen der nun leer stehenden Stadien gefegt, da findet in Südafrika erneut ein Sportevent von globalem Interesse statt. Ab dem 15. Juli beginnt der 'Billabong Pro' bei Supertubes in J'Bay, eine Station auf dem Zirkus des professionellen Surfens. Auch wenn die Zuschauerzahlen sicher nicht mit denen des Fußballs zu vergleichen sind, hat das weltweit gestiegene Interesse am Wellenreiten in nur zehn Jahre dazu geführt, dass man J'Bay heute nicht wiedererkennt.

Ein ruhiger Tag am Spot. Supertubes liefert die perfekte Welle.

Supertubes, das ist für viele Surfer das Mekka ihrer Zunft. Das Bild der perfekt hintereinander brechenden, ewig laufenden barrels mit den surfenden Delphinen darin ist im kollektiven Memplex der Szene fest verankert. Doch wer sich von diesem Anblick abwendet, und auf das Städtchen dahinter schaut, prallt zurück - Jeffreys Bay ist die am schnellsten wachsende Kommune Südafrikas, und wo vor gar nicht langer Zeit lediglich Aloen aus den Dünen wuchsen, wo es zwei Backpackers und einen kleinen Supermarkt gab, steht jetzt ein ausnehmend häßlicher, schmalfenstriger Ziegelsteinbau neben dem anderen. Ferienwohnungen, Surflodges, Outlets drängen sich entlang der Straße. Und leider ist bei all dem vom 'Surf-Spirit' wenig zu spüren. Es geht um die Kohle, um den Profit, um den Hype der Superstars.

Wagenburg oder Surfcamp? Hier ist man sich nicht ganz so sicher.

Sicherlich ist es höchst interessant, den 'Billabong Pro' vor Ort zu verfolgen. Und natürlich lockt die perfekte Welle, auch wenn es inzwischen schier unmöglich ist, zwischen den vielen Mitstreitern eine davon zu erwischen. Doch ansonsten kann man inzwischen um J'Bay getrost einen Bogen machen. Nur wenige Kilometer die Küste entlang findet man es dann wieder, das Südafrika, wo man die Weite spürt, die Schönheit, die Wildheit des Kontinents. Und wo Aloen in den Dünen stehen und die Welle fast perfekt bricht.

Nichts gegen Kelly. Aber Slater steht natürlich stellvertretend für die ganze Surfindustrie.

Und hier gibt es noch ein Schmankerl:
Jordy Smith wins Billabong Pro 2010

1 comment:

Ulf Iskender Kaschl said...
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